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Mittwoch, 11. November 2015

Novemberblues oder: Eine kleine Gesellschaftskritik

Als Eltern werden Sie es wissen, als Nicht-Eltern zumindest ahnen. Die Geburt des Kindes ist der mit Abstand leichteste Teil der Übung. Also technisch-administrativ gesehen, bitte nicht zur Gleichstellungsbeauftragen laufen liebe Mütter, danke :). Gefühlte 20 Jahre bevor es das erste mal für ihn relevant ist, bekommt der Filius vom Staat seine persönliche Steuer-Identifikationsnnummer, welche ihn fortan als braven und aufrichtigen Bürger und Zahlungsquelle begleitet, bis er dereinst den Ahnen in die ewigen Jagdgründe nachfolgt. Die Geburtsurkunde, seine erste Krankenversicherung, Aufnahme in diverse andere Haus- und Haftpflichten, alles kein Problem.

Die erste, wirkliche Hürde ist die Betreuung, wenn es sich die Eltern nicht erlauben können, fortan als Privatiers mit ihm zwischen Ibiza und Hawaii zu pendeln, oder zumindest auf dem Landgut eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Für die allermeisten von uns keine Option und so wird für die Eltern schon bald nach der Geburt die Frage "wohin mit dem Kind?" mehr Gewicht bekommen, als es einer jungen Familie vermutlich gut tut.

Die Karrieren der Eltern, gerade unsanft durch eigene Ansprüche an das Familienleben und die Kampfparole "Du bist größer, aber ich bin lauter!" unterbrochen, muss wieder in die Spur gebracht werden. Für viele bedeutet es auch, die nächsten Karriereschritte zu planen, also den planmäßigen Abschluss des Familienwachstums und einen eventuellen Jobwechsel miteinander in Einklang zu bringen. Auf der anderen Seite wird der Nachwuchs stetig größer/älter, bald schon folgen elementare Grundfragen zu Kita (Montessori? Städtisch? Eltern-Kind Initiativ? Waldkindergarten?) bzw. in vielen Gemeinden aus schlichten Kapazitätsgründen die verzweifelte Suche nach einer brauchbaren Tagesmutter. Kaum dort eingemündet, kann man das eigene Kind dann schonmal auf die Wartelisten von geeigneten Schulen setzen lassen, damit in 5 Jahren auch wirklich eine 3,33% Chance besteht, dass er/sie in die heiligen Hallen der nächsten Bildungsstufe aufgenommen wird. Auch hier muss dann gewählt und begründet werden, darf es eine Schule in kirchlicher Trägerschaft sein? Soll ein besonderes pädagogisches Konzept gefahren werden? Darf es auch althumanistisch, sprich mit Griechisch als zweiter Fremdsprache, sein (sollte der Junior Ambitionen Richtung Consultant oder Insolvenzanwalt zeigen, sicher keine schlechte Wahl)?

Sie sehen, wo wir eben noch dachten, die Entscheidung für ein Kind ist die mit Abstand schwierigste, so sind wir schon jetzt weit über die Erkenntnis erhaben und wissen es besser.

Den Ansprüchen der Eltern steht nämlich alsbald die Wirklichkeit der verfügbaren Plätze gegenüber. Je nach Wohnort hat man dann weder die Wahl zwischen Tagesmutter und Kita, bio oder elterninitiativ bzw. Klassen mit Übergröße statt jahrgangsübergreifenden Lernkonzepten. Es gibt schlicht im Umkreis von etlichen Kilometern nur einen Anbieter bzw. im schlimmsten Falle gar keinen!

Wäre hier eigentlich primär die öffentliche Hand, im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge, verpflichtet mindestens eine Grundvariation zur Verfügung zu stellen, ist die Realität brutal. Landauf und -ab müssen Eltern Rechtsanwälte für Kitaplätze bemühen, schließen Jugendämter gleich über Wochen und sind nur mehr mit der Abarbeitung von Altfällen beschäftigt, können Schulleiter schlicht aus Personalmangel nicht weniger als 32 Elfjährige in der ersten Gymnasialklasse gemeinsam unterbringen.

Zudem ist die Rechtsprechnung in dieser Hinsicht sehr ungnädig, Eltern, egal ob berufstätig oder nicht, ist eine 30-minütige Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln (pro Richtung) zu einer Kinderbetreuungsstätte zumutbar. In anderen Worten, nac
h 8,5 Stunden pro Tag Arbeit, 2x 0,5 Stunden Wegzeit von und zur Kita und schon haben wir unsere Kinder über zehn Stunden nicht gesehen und die kleinen Racker sind seit mindestens 12 Stunden wach. Ganz viel Freude beim gemeinsamen Familienabend mit vielen, ausgeruhten und energiegeladenen Menschen!
(Das hieran nebenbei auch der Staat noch verdient, weil die Betreuungskosten aber der vollendeten neunten Stunden nicht mehr gedeckelt sind, steht dann nochmals auf einem anderen Blatt, welches allerdings nicht fern vom Schatzmeister der jeweiligen Kommune lagern dürfte...)

Somit ist die Realität für viele (junge) Familien die, dass ein Elternteil seine Arbeitszeit nachhaltig reduziert, täglich die Pendelei zu einer nicht fußläufig erreichbaren Betreuungseinrichtung auf sich nimmt und danach für einige Stunden einem Broterwerb nachgeht ehe am Nachmittag schon weitere Verpflichtungen mit oder ohne Kind die Aufmerksamkeit verlangen. 

An Aufstieg in der Firma oder berufliche Veränderung über die unmittelbare Region hinaus ist daher kaum zu denken, schließlich weiß niemand, ob, wann und wo man im neuen Wohnort eine halbwegs vertretbare Betreuung für den Nachwuchs bekommt.

Bis die staatlichen Stellen ihren Verpflichtungen in Form eines adäquaten Angebots und Verfügbarkeit desselben wieder nachkommen wird es also weiterhin viele Arbeitgeber geben, die über mangelnde Mobilität der Bewerber schimpfen und Politiker weiterhin propagieren, ma müsse für das eigene Dasein schon Veränderungsbereit sein.

Schöne neue Welt!

Samstag, 31. Oktober 2015

Sommerzeit? Winterzeit? Babyzeit!

Winterzeit? Sommerzeit? Zeitumstellung? Was wird nicht überall in den Medien geflucht, analysiert und gerätselt. Wie schädlich ist es für Babys? Warum tun wir es? Wie oft tun wir es? Von (bzw. nach) vorne oder von hinten? Und wer liegt eigentlich oben? Fragen über Fragen...

Auch meine Kleinfamilie geht dieser Tage in die zweite Version dieses staatlich angeordneten Eingriffs in den Biorhythmus.  Den einfachsten Part dabei habe zweifelsohne ich als Elternzeitler, den härtesten meine wieder berufstätige Frau. Warum? Nun, im Frühjahr war es so, dass unser Sohn die Existenz der Zeitumstellung einfach kategorisch bestritt, sprich den Tatbestand, dass 6 Uhr früh nun 7 Uhr war, einfach ignorierte. Da ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon wach und meist auch auf der Arbeit war, änderte es nicht allzu viel am Lauf des Tages. Diesmal aber ging es ja rückwärts, was befürchten ließ, dass aus recht zivilisiertem 7.00 - 8.00 Uhr aufwachen, wieder unsägliche 6.00 Uhr ff. werden würde. Dies wiederum würde völlig mit den Zeiten meiner Frau (die ja im Bad etwas länger braucht als ich) kollidieren und somit den gesamten Betriebsablauf nachhaltig verzögern.

Sie bemerken es schon, ich spreche im Konjunktiv. Die Realität ist nämlich ganz anders. Zwar ist der Biorhythmus meiner Frau nachhaltig verwirrt, das Baby kann aber nichts dafür. Der kleine Mensch lebt (zu Papas Glück) völlig zeitlos, aufgrund der Herbstferien standen auch die gesamte Woche keine Kurse an und Nahrung wird ohnehin frei von jeder Uhrzeit nach Bedarf abgefordert. Somit entschied er sich unbewusst erneut für eine Ignoranz der bürokratischen Willkür und schlief völlig befreit von allen Zwängen prompt zwei Stunden länger als üblich. Nun könnte man denken, es sei ein Ausrutscher gewesen, vielleicht weil am Vortag zu viel Input gegeben wurde. Weit gefehlt! 
Das kleine Unzeitwesen hat die Gelegenheit zum Anlass genommen, erneut seine Schlaf- und Wachphasen zu adjustieren. So kommt Papa aktuell in die völlig ungewohnte, aber durchaus nicht unangenehme Situation, dass der Sohn so um kurz nach 9 Uhr morgens damit beginnt, sich Tag und Welt zu erobern. Für eine Eule wie mich natürlich Luxus pur. Gleichzeitig verschläft er dadurch selig den Abschied meiner Frau in Richtung Arbeit, was die zu überbrückende Zeit bis zur glücklichen Rückkehr im Zusammenspiel mit dem wiedereingeführten Frühstücksschläfchen zwischen 11 und 13 Uhr natürlich auch noch einmal angenehm verkürzt.  Im Zuge dieser Rationalisierung wurde dafür das Nachmittagsschläfchen eingespart, womit unser kleiner Aktivposten uns aktuell abends bis 20 Uhr auf Trab hält.

Okay, ich gebe zu, kleine Synchronisierungsfehler gibt es auch bei uns, gestern beispielsweise wurden alle um 4.45 Uhr geweckt um einen Spielinput zu geben. Nachdem er sich nicht recht erklären konnte, warum Mama und Papa hiervon nicht ganz so angetan waren, folgten kurzer Protest (Düsenjäger beim Start) und kindliche Willensbekundung; schlußendlich ließ er sich trotzdem mit einer frischen Windel und Milch davon überzeugen, es nochmals mit schlafen zu probieren.

Ich komme also zu dem Fazit: Zeitumstellung mit nicht kitagebundenen Kindern und einem Elternteil in Elternzeit ist harmlos!  Babys innere Uhr sagt, völlig befreit von allen Zwängen der Welt, wann es was gerne hätte. Dass ein fast einjähriger hierbei Schlafgewohnheiten von den Eltern abschaut ist normal und erfreulich, was kommt, auch vor der nächsten Sommerzeit graut mir wenig, ob er nun um 6 oder 7 (alter Zeit) in der Kita ist, wird ihn herzlich wenig kümmern. Spannender wird es erst kommenden Winter, wenn er dann früher raus muss, damit Mama und Papa übermüdet und mit Mini-Jetlag pünktlich auf ihren Arbeitsplätzen sitzen. Aber wer weiß, vielleicht hat bis dahin ja doch wieder jemand Elternzeit...


Freitag, 16. Oktober 2015

Lebenszeichen - Von Impfungen und Arbeit

Liebe Leser, 

nein, keine Sorge, dieser Blog ist nicht eingeschlafen, allerhöchstens der Autor zwischendurch mal für nur fünf Stündchen... Allerdings gibt es derzeit 2,5 Aspekte, die eine höhere Frequenz an Blogposts verhindern.

Zum Einen haben wir gerade den prä-Kita Impfmarathon begonnen, was bedeutet, dass unser Sohn derzeit recht viel Zuwendung benötigt. Dies bezieht selbstverständlich auch die Zeit, die mir sonst fürs bloggen bleibt mit ein. Ich glaube aber, Sie verstehen das völlig.

Zum Anderen muss ich beichten, dass ich meiner Elternzeit untreu werden werde. Ja tatsächlich, auch wenn mein Masterplan völlig anders war, musste ich mich Argumenten (nicht zuletzt auch monetären) geschlagen geben und werde zumindest punktuell in diesem und dem nächsten Monat in die Arbeitswelt zurückkehren. Warum, wieso und weshalb werde ich versuchen, in einem anderen Beitrag nochmals näher auszuführen. 

Zu guter Letzt dauert die Jagd nach dem Buggy an, so dass ich hier noch keinen Vollzug berichten kann.

Kommen wir für heute aber einmal auf das Thema Impfungen zurück. Ein Thema, das einem Glaubenskrieg nahekommt. Auf der einen Seite, in unverbrüchlicher Treue zur Pharmaindustrie: Der aufgeklärte Homo sapiens impfussimus, welcher den Nachwuchs grundsätzlich frühestmöglich gegen alle Unbillen der mikroskopischen Kriegsführung immunisieren lässt. Auf der anderen Seite, in direkter Nachkommenschaft der Hahnemann'schen Denkschule: Der Homo sapiens verweigerimpfus (besonders häufig in Herdenstärke anzutreffen in Berlin Prenzlberg und Neukölln), der in seiner Ausprägung von vollständiger Verleugnung á la "was ich nicht sehe, das existiert auch nicht" über die abgemilderte Form "da wirken Globuli tausendmal besser" bis hin zur Light-Variante "Auf zur Masernparty" auftritt.  


Wer hat nun Recht? Diejenigen die die möglichen Schäden durch eine Impfung für zu gefährlich halten um den teilweise durchaus zuerkannten Nutzen zu rechtfertigen? Oder die Vertreter der umgekehrten Geisteshaltung, die den teilweise dramatischen Schaden Einzelner gegenüber dem Wohl der Masse als nachrangig ansehen?

Quelle & Autor: TUBS in Wikimedia Commons / CCL 3.0
Berlin als Land hat hier, zumindest in Teilen, eine eindeutige Antwort gegeben. Seit der letzten, fast 10 Monate tobenden, Masernepidemie in unserer Stadt gilt seit Ende der Sommerferien, dass kleine Kita-Gäste und Grundschüler ohne einen entsprechenden Nachweis im Impfpass schon beim kleinsten Erreger vom Besuch der Einrichtung ausgeschlossen werden, ohne Wenn und Aber. Die Eltern, die also gegen Impfungen sind, haben dann nurmehr die Möglichkeit ihren Jahresurlaub darauf zu verwenden, die Betreuung des Kindes selber zu übernehmen oder aber - zumindest vor der Einschulung - eine kostenpflichtige Alternative von Babysitter bis Tagesmutter in Anspruch zu nehmen.

Ist das nun richtig oder falsch? Ich persönlich finde es richtig. Wir leben zwar in einem freien Land, ich muss (und möchte) die Entscheidung der Eltern akzeptieren, wenn sie gründlich abgewogen ist. Aber als Verantwortlicher für 20 - 1000 Kinder pro Einrichtung muss man eine Linie fahren, die auch diejenigen schützt, die vielleicht nur aus Unwissenheit vor den dramatischen Folgen einer fehlenden Impfung nicht immunisiert wurden. Da die Freiheit des Einen nun einmal dort aufhört, wo der Schutz des Nächsten beginnt, müssen penetrante Impfverweigerer dann eben mit dieser Konsequenz leben.

Aus dem vorherigen Absatz dürften Sie ableiten können, dass ich ein Befürworter der Impfung bin. Warum? Nun, vor allem aus medizinischen Gründen. Als beruflich Bewanderter kann ich sagen, dass ich die Folgen von Tetanus, Polio, Menigokokken oder auch Masern recht gut einschätzen kann. So gut, dass ich bei einer nüchternen Betrachtung der Statistik sagen muss, es ist ein größeres Risiko hier nicht zu impfen. Natürlich kann und will ich mir selbst im schlimmsten Albtraum nicht ausmalen, wie ich reagiere, wenn genau mein Kind Teil der Statistik wird und einen Schaden davonträgt. Aber wenn es so kommt, dann werde ich trotzdem wissen, dass ich nach Abwägung von Chancen und Risiken nur das Beste für ihn wollte. 
Ob man nun Windpocken, Keuchhusten und Co impfen muss, ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich habe diese Kinderkrankheiten im letzten Jahrhundert ungeimpft alle bekommen und schadensfrei überstanden. Man kann also zumindest darüber diskutieren, ob das rundum-sorglos Paket hier nötig ist. Rotaviren haben wir beispielsweise nicht impfen lassen, einen heftigen Durchfall mit allen unschönen Begleiterscheinungen kann ein wachsames Elternpaar mit Sicherheit gut abfangen.

Wie gesagt, wenn sich jemand intensiv mit Für und Wider beschäftigt hat - und hier gehört auch der Albtraum dazu, in diesem Fall eben umgekehrt, beispielsweise eine Kinderlähmung oder einen Wundstarrkrampf oder eine Unfruchtbarkeit durch eine Maserninfektion als tragbares Risiko ansieht - dann ist es nicht an mir, ihn dafür zu verurteilen.
Was mich aber wirklich in Rage versetzt ist, wenn Menschen rein aus Herdentrieb handeln und nur so verfahren, weil die Mehrheit der alternativen EKT Kita in ihrem "Wahn" (pardon) beschlossen hat, dass die Einrichtung impffrei bleiben soll. Da geht mir die Hutschnur hoch und leider ist der Fall nicht ganz so an den Haaren herbeigezogen, wie es mein Link zu diesem kleinen YouTube Clip vielleicht vermuten lässt.

Wir haben als Eltern nun einmal die Verantwortung für einiges, was bei unseren Kindern lebensverändernd ist bzw. wird. Diese Bürde ist keine reine Freude, jede "falsche" Entscheidung wird uns mit Sicherheit den Rest unseres Lebens verfolgen. Aber wenn wir im Bewusstsein handeln, dass wir uns informiert haben und eine eigene Entscheidung getroffen haben und nicht nur in einem Trend mitzulaufen, macht das die Folgen nicht unbedingt leichter, das Verständnis für den eingeschlagenen Weg aber für alle, auch uns selber, transparenter.

In diesem Sinne und mit Blick auf die Wetterkapriolen vor dem Fenster - Die Grippesaison naht, es ist wieder Zeit für eine Entscheidung "Für" oder "Gegen" eine Impfung meine Damen und Herren!

Bis demnächst. Ihr Alltagspapa

Montag, 5. Oktober 2015

Was uns niemand erzählt hat, bevor...

Lisa Harmann ist offenbar Mutter - herzlichen Glückwunsch. Neben dieser tollen Eigenschaft ist Lisa aber vor allem eines...Redakteurin bei einem großen deutschen Boulevardblatt, dem EXPRESS. Für diesen hat sie zum Wochenende einmal 24 "Fakten" gesammelt und diese unter dem Titel "Was uns niemand erzählt hat, bevor wir Eltern wurden" in Artikelform abgefasst. 

Nachdem ich vor einiger Zeit schon den Artikel des BILDenden Kollegen auf uns gespiegelt hatte, nehme ich mir also auch gerne die (eigenen?) Erfahrungen dieser Kollegin vor und schaue, was in der Folge auf meine Kleinfamilie zutrifft. Viel Spaß beim Lesen!




Warum hat uns niemand erzählt,...


1. Dass die lieben Kleinen praktisch das ganze erste Jahr AUF einem wohnen.
  • Ja, stimmt, und wenn ich den kleinen Mann mal wieder in der unmöglichsten Position auf mir verbrezelt liegen habe, danke ich in erster Linie meinem Fitnesstrainer Junior dafür, dass er auf einen gleichmäßigen Aufbau aller Muskelpartien achtet

2. Dass wir nicht mehr beim Vornamen angesprochen werden, sondern nur noch als Mama oder „Papa von...“
  • Zumindest außerhalb des eigenen Freundeskreises völlig zutreffend, Namen sind Schall und Rauch. Diejenigen, einen Kurs zusammen besuchen kennen sich eh am Gesicht, alle fremden, die ebenfalls ein Kind in diesem Altersbereich haben fraternisieren spontan und nutzen zur Identifikation des geschlechtsreifen Großstädters vornehmlich seinen kleinen Abkömmling.

3. Dass wir uns nach drei durchwachten Nächten fühlen, als hätten wir zwei Promille – und uns auch so benehmen.
  • Dafür braucht es, zumindest bei mir, keine durchwachten Nächte. Diese hätte ich dank eines Murmeltieres als Sohn sowieso nicht, aber als Eulenmensch jeden Tag zwischen 6 und 8 hoch zu müssen sorgte neulich dafür, dass der Fotograf bei den Passfotos zum Editor griff und mir dazu leicht ironisch mitteilte "Ich nehme Ihnen dann mal eine Nacht aus dem Gesicht" - Vielen Dank

4. Dass die Kinder dich schon so oft in peinliche Situationen gebracht haben, dass es dir irgendwann egal ist, was die Leute denken.
  • Ein Baby das in der vollbesetzten Kirche (Christmette) gegen die Chorschola ansingt weil es keine lateinischen Texte mag?: Check

5. Dass wir Heimweh bekommen, wenn wir mal mehr als zwei Tage allein von Zuhause (sic!) weg waren – oder mehr als zwei Stunden.
  • Eindeutig, auch wenn ich das als Papa nie vermutet hätte. Geschrieben habe ich ja schon öfter darüber, aber erstaunt bin ich über dieses Heimweh jedesmal wenn ich nachts in einem Bett liege, in dem plötzlich volle 90-180 cm nur für mich zur Verfügung stehen.

6. Dass wir mal zusammen mit fremden Menschen mit lautem Töröö und dem Arm als Rüssel durch einen Raum stampfen würden – beim Babykurs mit dem Elefanten-Begrüßungslied.
  • Wenn wir daraus das Windmühlenlied machen "Es dreht sich die Mühle..." bin ich dabei, von tausend bis 8!

7. Dass wir nachts aufwachen, weil das Baby schon vier Stunden lang nicht erwacht ist und schauen, ob es noch atmet.
  • Ja, ja und nochmals ja. Es gibt nichts wertvolleres als dieses Kind, deshalb ist Vertrauen gut, Kontrolle aber eindeutig besser. Und das hat nichts mit Helikoptern zu tun ;)

8. Dass der Ehemann irgendwann aus dem gemeinsamen Bett auszieht, weil das Kleinkind rotiert wie ein Helikopter. Oder zu laut schnarcht.  
  • FALSCH! Der Ehemann bin zum Glück ich und nichts dergleichen geht in mir um. Sicher, auf dem Sofa würde ich vermutlich entspannter nächtigen, aber mein Guten-Morgen-Papa Küsschen lasse ich mir doch nicht nehmen (auch nicht um 5.15 Uhr *seufz*)

9. Dass wir mal Herzchen aus Gouda-Käse schnitzen würden – für die Kita-Brotdose.
  • Ich komme darauf zurück, wenn wir dann mal in der Kita sind

10. Dass wir nicht einmal mehr Spinnen oder Fliegen erschlagen können, weil die ja auch eine Mama haben.
  • Habe ich, ehrlich gesagt, auch bisher nicht gemacht. Jeder Gast in meinem Haus hat Anspruch auf eine herzliche Verabschiedung, bei raus ist aus. Also schmeisse ich das Getier natürlich RRRRRAUS

11. Dass wir mal in Ohren und Nasen pulen würden, die nicht unsere eigenen sind.
  • Wird für die meisten wohl stimmen, für uns als medizinische Eltern ist es leider keine Premiere (auch wenn es deutlich schönere Dinge im Leben gibt, egal bei wem...)

12. Dass man Kinder nie pünktlich abholt. Kommen wir zu früh, wollen sie noch spielen. Kommen wir zu spät, gibt's Ärger, weil sie so lange warten mussten.
  • Lasst uns zu früh ins Bett oder zu spät an den jeweils anderen Elternteil übergeben drauf machen und ich bin an Bord!

13. Dass Kinder sieben Tage die Woche Nudeln ohne alles wollen, egal, wie toll du das Gemüse wieder geschnitzt hast. 
  • Hier irrt Lisa (bisher). Derzeit wird glücklicherweise noch alles erkundet was essbar sein könnte, wobei Kinder von essbar deutlich andere Vorstellungen haben, als ihre Eltern. Insofern schauen wir mal, wann wir bei Nudeln mit Nudeln ankommen...

 14. Dass wir uns nach dem 20.15h-Film ins Bett sehnen, statt uns für eine Party fertig zu machen.
  • Ja, es sei denn, man(n) kommt danach noch auf die Idee, schnell ein Blog über einen Artikel zu schreiben, den man in einem Boulevardmagazin gefunden hat ...ZzzzZZzzZ

15. Dass wir so kitschig werden, dass wir dauernd Happy Ends herbeisehnen.
  • Öhm? Wie jetzt? NÖ!

16. Dass wir bei Dokumentationen über Kinderarmut in Bangladesch weinen müssen.
  • Bedauere, dazu bin ich wohl doch noch nicht weich genug. Unfair finden, ja gerne, aber von Empathie auf Manie umzusteigen dann doch eher nicht...

17. Dass Kaffee, der zum zweiten Mal in der Mikrowelle erhitzt wurde, nicht mehr so richtig lecker schmeckt.
  • Da die liebende Mama dieser Familie Mikrowellen als Teufelszeug abtut, staubt unsere schon seit ewiger Zeit im Keller vor sich hin. Daher kam ich noch nicht in die Verlegenheit es ausprobieren zu müssen. Aber Speisen mehrfach erhitzen und dann doch abbrechen müssen? Willkommen in meiner Welt...

18. Dass wir nie mehr allein auf's stille Örtchen gehen werden. Und dabei sogar noch Fingerspiel-Theater vorführen.
  • Ersteres stimmt, zur Vermeidung des Theaters nutze ich allerdings ein Laufgitter gefüllt mit Ablenkung....klar, es ist Babygefängnis, aber bei manchen Verrichtungen brauche ich nun einmal Ruhe!

19. Dass ein Kind einen Tobsuchtsanfall kriegen kann, wenn wir vor ihm die Treppe hochgehen. Oder nach ihm. Je nach Laune.
  • Eine Treppe macht nur dann Laune, wenn man sie selber erkrabbeln kann. Ob man das kann, ist dabei völlig nebensächlich! Demzufolge hat der diensthabende Treppenträger auch Pech und muss sich den Protest anhören. Basta!

20. Dass alles immer nur eine Phaaaaase ist.
  • Für nähere Details konsultieren Sie bitte denjenigen in Ihrem Bekanntenkreis, der die Theorien eines gewissen S. Freud am besten kennt

21. Dass wir plötzlich verstehen können, warum uns die eigenen Eltern nicht bis spät nachts um die Häuser ziehen ließen.
  • Zum Glück habe ich noch mindestens eine Dekade Zeit, bis ich mich mit dieser Thematik befassen muss.

22. Dass immer diejenigen die besten Erziehungstipps geben, die überhaupt keine Kinder haben. Und die wir überhaupt nicht kennen.
  • STIMMT

23. Dass Gespräche über Sex oder Bier- oder Weinsorten uns total banal vorkommen, wenn unser Kind gerade heldenhaft seine erste Erkältung überstanden hat.
  • Also, ein gutes Gespräch über Sex (oder auch Sex selber) geht immer...aber ja, ich habe zuletzt deutlich mehr Gespräche über die Masernepidemie in Berlin und Flüchtlingsquoten in Kitas führen können (müssen), als über diese banalen Themen. Was wohl aber auch an den zur Verfügung stehenden Gesprächspartnern liegen könnte (siehe oben).

24. Dass man das Essen größtenteils unter dem Tisch verbringt, um dort die Erbsen-Möhren-Maiskörner aufzusammeln.
  • Hier unterscheidet sich offenkundig, ob die klugen Eltern einen Hartboden oder Teppich im Esszimmer haben. Wir lassen den Kleinen alles verteilen und wischen NACH der Kindergrundreinigung auf. Alles andere würde Sisyphos zur Ehre gereichen.

Freitag, 2. Oktober 2015

Was war, was wird - Oktober Edition

Liebe Leser,

schon wieder ist ein Monat vorbei, das Weihnachtsfest kommt immer näher, die Versuchung, sich bei den aktuellen Außentemperaturen die ersten Printen zu Gemüte zu führen, immer größer. Bei unseren Omas und Opas ist bereits hektische Betriebsamkeit ausgebrochen um die Weihnachtsgeschenke für alle Enkel rechtzeitig beisammen zu haben, sonst könnte ja etwas vergriffen sein.
Da ich jedoch keine Debatten über Vorzüge von Warenverfügbarkeiten in Zeiten der Globalisierung führen möchte, belasse ich sie einfach in dem Glauben, dass früher besser ist und habe pflichtgemäß die Wunschliste für den kleinen Menschen übersandt.  Frohes Shoppen!

Bei uns hingegen kann von herbstlicher Entspannung keine Rede sein. Nachdem der Wiederbeginn des Arbeitslebens bei meiner Frau zunächst so gemütlich voranging wie geplant ist nunmehr seit knapp anderthalb Wochen Alarm in der Firma. Deadline jagt Deadline, globalisiertes Arbeiten mit 4 verschiedenen Zeitzonen erfordert unvorteilhafte Arbeitszeiten und sorgt dafür, dass Papa und Baby plötzlich deutlich mehr Zeit alleine miteinander haben, als zunächst erwartet. 
Glücklicherweise habe ich einen sehr pflegeleichten Sohn, der auch abgepumpte Milch anstandslos als Einleitung zum Mittagsschläfen akzeptiert, sonst würde es vermutlich wirklich finster aussehen. So allerdings schaffen wir mittlerweile unsere 8 Stunden ohne Mama recht erfolgreich (okay, kleinere Totalausfälle gibt es natürlich auch, aber zum Glück an einer Hand abzählbar) was dazu führt, dass unsere Verbindung noch enger wird. Kehrseite der Medaille ist, dass Mama natürlich ihr Kind vermisst, was wiederum zu Unzufriedenheit dort sorgt. Das Thema Work-Life Balance hat uns also, wie Sie sehen, voll erwischt. Welche Lösungen uns dazu einfallen, finden Sie bestimmt demnächst hier niedergeschrieben...

Auch mein Arbeitgeber hat zwischenzeitlich Sehnsucht nach mir bekommen, mittlerweile war ich zwei Mal (mit Nachwuchs) dort und werde wohl auch in den kommenden Wochen meinen Vorsatz, dort nicht aufzutauchen, nicht ganz einhalten können. Die feine Linie zwischen Karriere und Familie, die eigentlich eine klare Demarkationslinie sein sollte weicht auch zu meinem Bedauern (und meiner Überraschung) erstaunlich nachhaltig auf.

Und sonst? Ansonsten können wir nicht klagen. Gesundheitlich sind alle trotz herbstlichem Wetter auf dem Damm, Verwandte besuchen uns und der Alltagspapa hatte sogar zweimal in diesem Monat Ausgang. Der erste endete sehr spät (oder sehr früh? =)) in einem Pub, der zweite wesentlich geziemter schon am frühen Abend. Trotzdem ist das Sozialleben natürlich in keiner Weise mehr dem früherer Jahre entsprechend, allerdings gewinnt nach einem vollen Tag Kinderaction ein ruhiger Abend auf dem Sofa ungemein an Verlockung.

Der kommende Monat wird für uns zunächst nichts geplant Neues bringen, alle Kursen laufen bis zu den Herbstferien fort, neue Formate beginnen für uns erst im November. Trotzdem steht natürlich schon heute allerlei im Familienkalender, langweilig wird uns also mit Sicherheit nicht.

Aktuell befindet sich der Autor dieser Zeilen übrigens auf der Jagd nach einem Buggy für den Nachwuchs, das ständige verladen von 16kg Kinderwagen in die Familienkutsche geht mir so langsam aber sicher doch auf den Rücken...was ich hier bei ebay und Co erlebe ist abstrus genug, um nach meinem Kauferfolg mindestens ein weiteres Post sicherzustellen.

Bleiben Sie mir gewogen und genießen Sie mit Ihren Lieben ein tolles Wochenende, ich lege mich nun zwecks schamloser Ausnutzung der Mittagsruhe zu meinem Sohn.

Mittwoch, 26. August 2015

Name kommt von nämlich?

Worum sich dieses Blog so dreht, wissen Sie, liebe Leser, ja nun schon eine kleine Weile. Heute dreht sich hier wieder einmal alles um das Miteinander, in diesem Fall das Miteinander unserer Kinder in diversen Lern- und Spielgruppen.

Zwangsläufig kommt es hierbei zur Begegnung mit anderen kleinen Menschen und deren Erziehungsberechtigten. Während die allermeisten einen grundständigen und vernünftigen Eindruck hinterlassen, fallen einige wenige auf die ein oder andere Art aus dem Rahmen. Kindern ist das zum Glück egal, Kinder gehen in diesem Alter völlig vorurteilsfrei miteinander um und die größte denkbare Sünde ist der infantile Spielzeugklau.

Wo wir aber beim Thema Sünde sind: Kindernamen! Was um Himmels Willen haben sich manche dieser Elternpaare nur bei der Namenswahl gedacht? Haben sie überhaupt gedacht? Sollte man manchen Eltern verbieten, im Kreißsaal den Namen festzulegen?



Ich als Kölner fühle mich ja prinzipiell recht weltoffen, der Slogan "Jedem Dierche sing Pläsierche" ist nicht nur heiße Luft für mich. Aber das, was manche Eltern Ihren Kindern als Vornamen mit auf den Weg geben, ist bisweilen schon hart jenseits der Grenze des (streitbaren) Geschmacks. 

Ich rede hier nicht von den ungezählten Kevins, Chantals und Jaquelinen, die in diversen Schreibweisen die Grundschullehrer dieser Stadt wahnsinnig machen ("Chantal mit einem N und L?" "Nee, Frau Fritz dat war uns zu gewöhnlich, unsere Channtalle hat alles doppelt und ein extra E am Ende..."). Nein, wirklich nicht, das war die Elterngeneration vor uns.

Auch rede ich nicht von Sebnem, Mahabat oder Hein; diese mögen für die Ohren und Augen der meisten Leser zwar zunächst etwas befremdlich wirken, in den jeweiligen, ursprünglichen Kulturkreisen - hier türkisch, kirgisisch und  friesisch - sind es aber gängige Namen, auf die die Kinder stolz sein dürfen.

Für einige der heutigen Eltern scheint es jedoch unabdingbar, ihre große Individualität, die sie von den eigenen Eltern nicht in den Vornamen gelegt bekommen haben (warum wohl?) nun auf den Stammhalter zu übertragen und hierbei eine möglichst originelle Abwandlung eines Klassikers oder direkt eine völlige Neukreation zu verwenden. Ein paar Beispiele gefällig?

Unser spätberufenes Akademikerpaar im Krabbelkurs, Typ Steuerprüfer beim Finanzamt und Greenpeace Mitglied der ersten Stunde, gönnte seinem Sohn den Namen Carlu. Ja richtig, so wie Carlo nur mit U...genau so stellt er ihn vor. Ich hoffe inständig, sein Sohn wird sich später aufrichtig dafür bedanken, dass diese Phrase bei jedem Gespräch mindestens ein Mal fallen wird...

Edyta, aus einer anderen Veranstaltung scheint dafür Eltern zu haben, die ihre Großeltern (oder Urgroßeltern?) sehr schätzen. Nur so ist es mir erklärlich, warum man seinem Kind einen solchen Namen mitgibt. Oder aber sie sind brennende TKKG-Fans und mussten ihr Kind deshalb nach "Edytha-Illionore von Brabandt" aus einem der Hörspiele benennen...

Seraphinas Eltern hingegen müssen eindeutig sehr gläubig sein, warum sonst sollte man sein Kind nach einer sechsflügeligen, brennenden Gestalt benennen? Warten wir also auf die Offenbarung am Tag des jüngsten Gerichts und sehen hier weiter. 

Mein ganz persönliches Highlight ist aber Anne, 38, Architektin, die ihre Tochter mit dem verheißungsvollen Namen Mia-Noelle-Karlotta-Estelle in die Welt hinausschickt um Großtaten zu vollbringen.

Ganz klar: Es muss nicht immer Mainstream sein. Auch unser Sohn hat es mit seinem Vornamen nicht in die deutschlandweiten Top Ten gebracht, braucht sich aber trotz einer Anleihe an die wichtigsten Charaktere der Bibel nicht zu verstecken, egal ob er auf Deutsch oder Englisch nach diesem gefragt wird. Gerade in einer Welt, die immer weiter zusammenrückt und wo Sprachbarrieren zumindest in den Weltsprachen selbst in unserer Generation kaum mehr existieren, sollten Eltern mit diesem Schöpfungsakt doch bitte etwas bedachter umgehen. 

Soviel für heute von meiner Seite, wir lesen uns bald wieder. Ihr Alltagspapa

Mittwoch, 12. August 2015

Großeltern und Babys - Hurra oder owei?


Logierbesuch im Hause Alltagspapa: Nun hat meine Kleinfamilie also zum letzten Mal in diesem Sommer Unterstützung durch die Großeltern bekommen. Meine Frau freut sich darüber, mein Sohn ist immer ein dankbarer Empfänger jeglicher Art von Entertainment, nur ich bin hier etwas ambivalent.

Warum? Sicherlich, Großeltern sind etwas tolles und die Kinder lernen von ihnen viel über eine Welt die einmal war, während aufgeschlossene Omas und Opas viel über die Welt lernen können, die ihre Enkel einmal ausgestalten werden. Aber leider ist es oftmals auch so, dass der letzte, praktische Umgang mit dem Wesen "Baby" oder "Kleinkind" gute 30 Jahre zurückliegt. Demzufolge sind auch manche Methoden und Ansätze heute etwas aus der Mode geraten.

Nicht umsonst bieten große Geburtstationen landauf, landab mittlerweile nicht nur die obligatorischen Hechelkurse für werdende Eltern an. Vielmehr gibt es zwischenzeitlich eine Unmenge an Kursen in denen werdende Großeltern erklärt bekommen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sich gegenüber ihrer eigenen Elternwerdung verändert haben, warum man ein Kind nicht mehr zwangsläufig mit Brei füttert und wieso abstillen nach 3-6 Monaten heutzutage die Ausnahme und nicht mehr die Regel ist.

Leider zeigt sich die vorherige Generation nicht immer überzeugt davon, dass unser Tun und Lassen das Beste für den Enkel ist, was wiederum zu unterschwelligem Konfliktpotential führt.
Keine Frage, im Alltag sind Omas und Opas eine willkommene Abwechslung, die auch mir und meiner Frau erlauben, zwischendurch mal kurz durchzuatmen ohne die Befürchtung zu haben, dass der nächste eigenständige Stehversuch unseres Sohnes prompt auf der Nase endet und die gerade gewonnene Zweisamkeit so zunichte macht.

Aber wenn ich anfangen muss mich zu erklären, warum mein Kind unser Essen probieren darf, selbst wenn es sich dabei um Eis, süßes Obst oder Käsetoast handelt, dann läuft hier etwas gewaltig schief. Ähnliches lässt sich für die Fragestellung feststellen, ob ein Kind von fast neun Monaten wirklich schon auf dem Töpfchen sitzen müsse (dass ER es toll findet, nicht in einer vollgekackten Windel zu liegen, wird hier geflissentlich ignoriert), oder warum das Kind erst um 21 Uhr schlafen geht (vielleicht, weil es vorher das Tageslicht auskosten möchte und deshalb lieber vormittags nochmal etwas ausführlicher schläft?!?) und wir uns dann aber plötzlich Ruhe und Zurückhaltung erbitten. Da entfleucht mir dann schon einmal ein unwirscher Kommentar, der natürlich schnell als Majestätsbeleidigung gewertet wird. Schließlich wolle man nur das Beste für alle Beteiligten und sich selbst!

Ich gebe zu, der geborene Diplomat war und bin ich nicht. Ich rede wie es mir in den Sinn kommt und meine Toleranzschwelle ist im Bezug auf das, was meinem Kind nicht gut tut, äußerst gering! Mir stellt sich bei solchen Diskussionen immer folgende Frage: Unsere Eltern haben uns groß gezogen, und dabei augenscheinlich nichts katastrophal Falsches gemacht. Warum also haben sie nicht das Vertrauen ins uns, dass uns ebensolches mit unseren Kindern gelingt?

Sicher, wir machen es anders als sie damals (einiges aber auch gleich, einfach weil es sich bewährt hat). Aber vor allem ist uns am Ende herzlich egal, ob Oma I der Ansicht ist, das Kind müsse auch mal alleine schlafen (wenn er das nicht will, muss er es nicht. Punktum aus, auch Menschen sind nur große Tiere die bevorzugt im Rudel schlafen), während Oma II den Kopf schüttelt, wenn wir ihn nackt (bei 35° Außentemperatur) in der Wohnung rumkrabbeln lassen.

Es gibt einfach niemanden, der uns ein besseres, ehrlicheres und direkteres Feedback auf unser Tun geben kann, als unser Sohn. Wenn er damit zufrieden ist und zudem keine Gefahr für Leib und Leben besteht, dann soll er machen.

"Look at the boy" und "Learning by doing" waren die Leitsätze des Gründers der Pfadfinderbewegung, Lord Robert Baden-Powell, einst.


Verdammt nochmal liebe Großeltern, so sehr wir Euren Rat und Eure Hilfe schätzen, er hatte und hat Recht damit.


Vielen Dank übrigens an Germanwings für die bildhafte Begleitung des heutigen Blogs, die Spucktüten von denen die munteren Sprüchlein stammen konnte ich auf meiner letzten Reise (siehe Juli-Blogposts) für die geneigten Leser festhalten.