Montag, 31. August 2015

Was war, was wird, was wurde?

Guten Abend liebe Leser,

heute keine Karriere als Thema, zum Einen weil es Monatsende und somit Zeit für eine Bilanz ist, zum anderen weil seit heute bei uns der Ernstfall eingetreten ist:

Papa allein zu Haus

Was bisher Blogtitel und stundenweises Herantasten an die Materie war, ist seit heute der neue, unbarmherzige Alltag. Meine Frau hat ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Im letzten Monat (siehe Freitagsblog) haben mein Sohn und ich ja schon einiges alleine bewältigt und auch gemeistert. Allerdings, auch das ganz unverholen, haben wir auch nochmal die Sonne und die Freizeit in Berlin gebührend genutzt, um als Familie von Abendessen bis Zoobesuch alles mitzunehmen, was diese Stadt zu bieten hat. 

Seit heute bin ich also werktäglich für mindestens 7 Stunden alleine für Wohl und Wehe des kleinen Mannes verantwortlich, von frühmorgendlichen Windeln über Mittagsschlaf bis zur gebührenden Feier der Rückkehr der Hauptnahrungsquelle. Wir beginnen den Tag aktuell um kurz vor sieben, die Verabschiedung fällt glücklicherweise recht kurz und knapp aus, schließlich gibt es am neuen Tag noch soooo viel zu entdecken. Das Frühstück (der Butler reichte heute Toast, Gurke und Pflaume) wurde ausgiebig erkundet, weniger ausgiebig - genauer nur der Toast - verspeist und mit den Resten, die Papa nicht schnell genug in die Tupperdose evakuieren konnte, der Boden aufs Neue verziert. Erwähnte ich, dass unser Junge immer noch völlig verzückt ist von dem Phänomen Schwerkraft? Herr Newton kann sich kaum mehr darüber gefreut haben...

Es folgte ein Ausritt im Kinderwagen zum lokalen Grünzeug- und Fleischhändler, begleitet durch heftiges Niesen bei Sonneneinfall, angeregtes Ah und Ohhhhh bei der Analyse der vorbeifahrenden Kehrmaschine und desinteressiertem Gähnen an der Fleischtheke weil heute partout kein Scheibchen Fleischwurst abfallen wollte.

Zurück von der morgendlichen Revierrunde, wurde (zum ersten Mal unter realistischen Bedingungen) das Ergebnis der verordneten Milchpumpe verkostet. Zu meinem Erstaunen gab es hier keine größeren Beschwerden. Man erkennt zwar am Blick deutlich die Irritation, dass dieses Mama-only Produkt nun plötzlich auch in Gebinden abgefüllt daherkommt, aber letztlich schmeckt es ihm trotzdem. Glücklicherweise macht trinken müde, so dass der diensthabende Papa im Anschluss neunzig Minuten geschenkt bekam, um Alltagsdinge von Frühstücksspurenbeseitigung bis Post abzuarbeiten.

Da fehlt doch jemand...
Wenn unser Sohn seine Nickerchen planmäßig beendet, schreit er nicht  etwa um Aufmerksamkeit. Zunächst steht er eigenständig auf und schaut aus seinem (neben dem Elternbett postierten) Gitterbett, ob nicht zufällig eines der Elterntiere nebenan liegt und ausruht. Erst nach erfolgter Fehlbestandsprüfung in diesem Zimmer erfolgt der akustische Alarm - dann dafür aber umso enervierender - Widerspruch durch wen auch immer ist von vorne herein nicht mehr zulässig.
Eine ausgiebige, krabbelnde Begehung der Wohnung später, folgte dann das, wovor ich von Anfang an den größten Respekt hatte - die Stimmungsschwankung. Weder Lieblingsspielzeug noch weitere Milchofferten und schon gar nicht die aberwitzige Idee eines erneuten Ruhepäuschens konnten den jungen Mann beruhigen - ein dauerhafter Fehlbestand an Mama war verzeichnet und eine wie auch immer geartete Alternativlösung außer die Beibringung selbiger wurde grundsätzlich verworfen.

Glücklicherweise hatte meine Frau zu diesem Zeitpunkt bereits den Heimweg angetreten, so dass ich mich über ein spätes kaltes Mittagessen - eine sogenannte Jause - mit Toast und Maisflocken in die Begrüßungseuphorie ob der wiederentdeckten Mama retten konnte...puuuuh

Danach war ich erst einmal zwei Stunden völlig abgemeldet und auch meine Frau konnte nichts tun, ohne dass ihr 80cm Mensch auf jedem Schritt folgten. 

Fazit

Der erste Tag ist vorbei, ich persönlich würde sagen, er war erfolgreich. Wir hatten keinen geregelten Tagesablauf oder Plan für heute, alles war für meinen Sohn neu und ungewohnt und trotzdem hat er es sehr gut gemeistert. Auch die Abstimmung zwischen meiner Frau und mir hat gut funktioniert, in Zeiten von Whatsapp und Co bekommt sie glücklicherweise recht schnell mit, wenn daheim die Dinge aus dem Ruder laufen...
Der nächste Arbeitstag kann also kommen.


PS: Aus gegebenem Anlass habe ich von meiner Frau noch eine "Betriebsanleitung Kleinkind" aus dem MosaikVerlag geschenkt bekommen - ein Schelm wer böses dabei denkt ;)

Freitag, 28. August 2015

Familie und Termine - keine Zeit für Nichts?!?

Kennen Sie das? Ein Monat ist vorbei, wir sind dem Weihnachtsfest schon wieder näher als Ostern und in den Supermärkten tauchten heute erstmals Spekulatius und Lebkuchen in meinem Sichtfeld auf.

Oh du fröhliche...haben Sie schon Ihren Tannenbaum?

Wo ist nur die Zeit geblieben? Ein Blick in meinen Kalender verrät mir, dass ich in diesem Monat einen einwöchigen Großelternbesuch überstanden habe, an 14 der vergangenen 28 Tage Eltern-Kind Kurse oder Nachmittage mit Eltern und Kindern aus diesen Kursen verbracht habe und zweimal den kinderärztlichen Notdienst besuchen durfte/musste.

Pünktlich zum Beginn des meteorologischen Herbstes enden zwar nun die Sommerkurse (in Berlin beginnt am Montag wieder die Schule) des lokalen Gesundheitsanbieters, aber ein Blick auf die Voranmeldungen, die meine Holde für die kommenden Monate bereits für mich und unseren Filius getätigt hat, lässt bei mir jetzt schon den puren Freizeitstress ausbrechen.

Nicht, dass es mich stören würde, dass ich so viel mit meinem Sohn machen und erleben kann. Aber leider nimmt die übrige Welt auf den Umstand relativ wenig Rücksicht. Die Pflichtuntersuchungen für den Sohn stehen an, die Installateure unseres Vermieters kündigten sich diese Woche schon für in zwei Wochen zwischen 8 und 18 Uhr zu Instandhaltungsarbeiten am Wasser an und benötigen Zutritt zur Wohnung, ein paar private Termine wie Fitness möchte ich auch noch umsetzen um für die pfefferkuchenreiche Zeit ein wenig "Reserve" aufzubauen..und schon ist der verdammte Kalender wieder voll.

Sozialleben? In dieser Planung bisher Fehlanzeige, aber ich überlege, ein Doodle zu eröffnen und meine Vakanzen dort einzutragen, nach dem Motto "wer sich zuerst auf einen Kaffee mit mir einbucht mahlt zuerst". Andererseits muss ich diese Idee wohl wieder verwerfen, da mein Freundes- und Bekanntenkreis doch überwiegend arbeitet und somit mit den zur Verfügung stehenden Zeitfenstern werktags  10 - 12 Uhr (Mittagsschlaf des Nachwuchses) und Mo/Mi 21 - 23 Uhr (ja, auch ich brauche noch ein paar Stunden Schlaf pro Nacht) eher wenig wird anfangen können...

Ich hatte ja letzte Woche schon auf Studien hingewiesen, nach denen insbesondere junge Eltern ihr soziales Umfeld radikal umgestalten (müssen) um zwischen Job, Familie und sich selbst noch einen brauchbaren Ausgleich zu finden. Ich gebe gerne zu, auch für mich waren die dort genannten Zahlen und Beispiele sehr abstrakt - bis ich eben heute in meinen eigenen Kalender blickte...

Echte Treffen mit kinderlosen Freunden gab es im August gerade zwei Mal, ein Wert, der mich zwar nicht beunruhigt, aber doch zumindest erschreckt. Klar, mit Sport, Eltern-Kind Treffen und anderem ist viel vom freien Deputat schon weg, dass eventuell der Sohn zu kurz kommt sowieso niemals eine Option, aber trotzdem - spontan mal ins Kino? Im Oktober vielleicht wieder! An einem lauen Sommerabend in den Biergarten? Ja, gerne, aber um 20 Uhr müssen wir gehen damit das Kind noch irgendwann zum schlafen kommt...
Achja, diese Zeilen schreibe ich, nachdem wir gerade heimgekommen sind, es Stand ein Grillabend in der Gemeinde an, mein Kind schläft dank der vielen Eindrücke wie ein sehr schweres Kieselsteinchen und ich nutze tatsächlich so etwas wie Freizeit um Sie an diesen Gedanken teilhaben zu lassen.
Ein schönes Wochenende, genießen Sie das letzte Mal den Hochsommer im Land (für dieses Jahr) - am besten mit ein paar leckeren Lebkuchen ...
Ihr Alltagspapa


Mittwoch, 26. August 2015

Name kommt von nämlich?

Worum sich dieses Blog so dreht, wissen Sie, liebe Leser, ja nun schon eine kleine Weile. Heute dreht sich hier wieder einmal alles um das Miteinander, in diesem Fall das Miteinander unserer Kinder in diversen Lern- und Spielgruppen.

Zwangsläufig kommt es hierbei zur Begegnung mit anderen kleinen Menschen und deren Erziehungsberechtigten. Während die allermeisten einen grundständigen und vernünftigen Eindruck hinterlassen, fallen einige wenige auf die ein oder andere Art aus dem Rahmen. Kindern ist das zum Glück egal, Kinder gehen in diesem Alter völlig vorurteilsfrei miteinander um und die größte denkbare Sünde ist der infantile Spielzeugklau.

Wo wir aber beim Thema Sünde sind: Kindernamen! Was um Himmels Willen haben sich manche dieser Elternpaare nur bei der Namenswahl gedacht? Haben sie überhaupt gedacht? Sollte man manchen Eltern verbieten, im Kreißsaal den Namen festzulegen?



Ich als Kölner fühle mich ja prinzipiell recht weltoffen, der Slogan "Jedem Dierche sing Pläsierche" ist nicht nur heiße Luft für mich. Aber das, was manche Eltern Ihren Kindern als Vornamen mit auf den Weg geben, ist bisweilen schon hart jenseits der Grenze des (streitbaren) Geschmacks. 

Ich rede hier nicht von den ungezählten Kevins, Chantals und Jaquelinen, die in diversen Schreibweisen die Grundschullehrer dieser Stadt wahnsinnig machen ("Chantal mit einem N und L?" "Nee, Frau Fritz dat war uns zu gewöhnlich, unsere Channtalle hat alles doppelt und ein extra E am Ende..."). Nein, wirklich nicht, das war die Elterngeneration vor uns.

Auch rede ich nicht von Sebnem, Mahabat oder Hein; diese mögen für die Ohren und Augen der meisten Leser zwar zunächst etwas befremdlich wirken, in den jeweiligen, ursprünglichen Kulturkreisen - hier türkisch, kirgisisch und  friesisch - sind es aber gängige Namen, auf die die Kinder stolz sein dürfen.

Für einige der heutigen Eltern scheint es jedoch unabdingbar, ihre große Individualität, die sie von den eigenen Eltern nicht in den Vornamen gelegt bekommen haben (warum wohl?) nun auf den Stammhalter zu übertragen und hierbei eine möglichst originelle Abwandlung eines Klassikers oder direkt eine völlige Neukreation zu verwenden. Ein paar Beispiele gefällig?

Unser spätberufenes Akademikerpaar im Krabbelkurs, Typ Steuerprüfer beim Finanzamt und Greenpeace Mitglied der ersten Stunde, gönnte seinem Sohn den Namen Carlu. Ja richtig, so wie Carlo nur mit U...genau so stellt er ihn vor. Ich hoffe inständig, sein Sohn wird sich später aufrichtig dafür bedanken, dass diese Phrase bei jedem Gespräch mindestens ein Mal fallen wird...

Edyta, aus einer anderen Veranstaltung scheint dafür Eltern zu haben, die ihre Großeltern (oder Urgroßeltern?) sehr schätzen. Nur so ist es mir erklärlich, warum man seinem Kind einen solchen Namen mitgibt. Oder aber sie sind brennende TKKG-Fans und mussten ihr Kind deshalb nach "Edytha-Illionore von Brabandt" aus einem der Hörspiele benennen...

Seraphinas Eltern hingegen müssen eindeutig sehr gläubig sein, warum sonst sollte man sein Kind nach einer sechsflügeligen, brennenden Gestalt benennen? Warten wir also auf die Offenbarung am Tag des jüngsten Gerichts und sehen hier weiter. 

Mein ganz persönliches Highlight ist aber Anne, 38, Architektin, die ihre Tochter mit dem verheißungsvollen Namen Mia-Noelle-Karlotta-Estelle in die Welt hinausschickt um Großtaten zu vollbringen.

Ganz klar: Es muss nicht immer Mainstream sein. Auch unser Sohn hat es mit seinem Vornamen nicht in die deutschlandweiten Top Ten gebracht, braucht sich aber trotz einer Anleihe an die wichtigsten Charaktere der Bibel nicht zu verstecken, egal ob er auf Deutsch oder Englisch nach diesem gefragt wird. Gerade in einer Welt, die immer weiter zusammenrückt und wo Sprachbarrieren zumindest in den Weltsprachen selbst in unserer Generation kaum mehr existieren, sollten Eltern mit diesem Schöpfungsakt doch bitte etwas bedachter umgehen. 

Soviel für heute von meiner Seite, wir lesen uns bald wieder. Ihr Alltagspapa

Montag, 24. August 2015

Elternzeit im befristeten Arbeitsvertrag

"Firmen bieten befristete Verträge an, wenn nur kurzzeitig oder vorübergehend Bedarf an Personal besteht oder eine Arbeitskraft zu einem bestimmten Zweck gebraucht wird, zum Beispiel für Saisonarbeit."

So, oder so ähnlich finden sich die Formulierungen bei allen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft, wenn man sie auf das Thema anspricht.

Aus meiner praktischen Warte heraus kann ich sagen: Ausgemachter Blödsinn.

(Saison)Arbeiter mit befristetem Vertrag
Einer der größten Arbeitgeber, die konsequent auf zweijährige Beschäftigung als Regelfall setzen und dann die Mitarbeiter nicht fest und unbefristet übernehmen ist unser Staat in Gestalt des Öffentlichen Dienstes selber. Wo nun aber der Gesetzgeber nicht besser ist als die Privatwirtschaft, ist der Veränderungswille seitens der Arbeitgeber äußerst gering. Warum sollte er sich jemanden juristisch ans Bein binden, den er in einer Rezession ganz vielleicht und unter Umständen nicht mehr braucht, dann aber nur unter Gericht und schlechter PR wieder loswird? Insbesondere wenn eine rechtlich saubere, zigtausendfach bewährte Alternative vorliegt...genau.

Was hat das aber nun mit diesem Blog zu tun? Nun, ich berichte hier einerseits von meiner Karriere und ihren Bremsspuren, andererseits werden Sie, lieber Leser, aber genau in dem Moment zu meinem Job, in dem Sie, von der oben beschriebenen, gesetzgeberischen Meisterleistung betroffen sind.  Sind Sie gut qualifiziert und frei von Familie wird es vermutlich nicht lange dauern, bis Sie wieder in Arbeit stehen, vermutlich im nächsten befristeten Verhältnis. Haben Sie aber Mann/Frau und Kinder die betreut werden wollen und sollen zu Hause, sieht die Geschichte schon wieder ganz anders aus...

Noch unangenehmer, und damit sind wir beim heutigen Thema, ist es jedoch, wenn Sie gerade befristet beschäftigt sind und plötzlich Nachwuchs erwarten. Als erstes steht die Frage im Raum, warum Sie überhaupt befristet beschäftigt sind. Hier hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag, das zuständige Unwort lautet "Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG)".
Regelt es zum Einen etwas für uns Eltern sehr positives, nämlich den Anspruch gegenüber unserem Arbeitgeber auf eine Beschäftigung in Teilzeit, geißelt es zum Anderen Millionen Menschen durch seinen § 14, welcher die Legitimation für eine befristete Beschäftigung liefert. 

§14 (1)

In Ihrem Vertrag steht, dass Sie nach §14 Absatz 1 befristet sind? Herzlichen Glückwunsch, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass Sie die Mutterschutz/Elternzeitvertretung für einen aus diesem Grund abwesenden Kollegen sind. Zwar gibt es noch diverse weitere Möglichkeiten in diesem Unterpunkt, der vorübergehende Bedarf an Ihrer Arbeitskraft wegen Abwesenheit des regulären Stelleninhabers ist jedoch bei weitem der häufigste Grund. Zudem ist hier für den Arbeitgeber die Dokumentation recht simpel, ein Krankenschein oder Elternzeitbescheid des Abwesenden liegt ja ohnehin vor, so dass es Personalers Liebling ist. Eine Befristigung nach diesem Absatz lässt sich zudem dem Grunde nach beliebig fortführen, solange im Betrieb ein entsprechener Grund besteht. Das führt teilweise zu bizarren Situationen in denen Angestellte 5 und mehr Jahre beschäftigt sind, ohne dabei sicher sein zu können, die nächste Verlängerung noch zu erhalten. Früher war das insbesondere im Öffentlichen Dienst noch ausgeprägter, bevor 2011 ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts den Punkt 7 dieses Unterabschnitts faktisch für nichtig erklärt hat und vielen Behörden in Deutschland auf einmal noch mehr ungewolltes Personal verschafft hat - unbefristet und auf Dauer!

§14 (2)

Dies ist der Klassiker der Privatwirtschaft. Die sogenannte "sachgrundlose Beschäftigung". Sie sind also grundlos da? Zugegeben manchmal fühlt man sich auf Arbeit so, gemeint ist aber etwas anderes: Der Arbeitgeber braucht Sie, Sie möchten den Job und eigentlich wäre nun ein unbefristeter Arbeitsvertrag mit Probezeit von maximal sechs Monaten abzuschließen. Dank dieses Absatzes kann er jedoch faktisch zwei Jahre (bei etwas längerer Kündigungsfrist) in alle Ruhe Ihre Dauermotivation erproben, ohne, dass es betrieblich hierfür einen Grund gäbe oder Sie hierfür irgendeinen Verdacht oder Anlass gegeben haben. 
Für Berufseinsteiger sind befristete Arbeitsverhältnisse nach diesem Punkt des TzBfG heute der Regelfall und nicht die Ausnahme. 

§14 (2a) ff.

Darüber hinaus gibt es noch einige, wenige, weitere Befristungsmöglichkeiten die jedoch vornehmlich Start-Ups oder ältere Arbeitnehmer betreffen und abschließend geregelt sind, weshalb sie auch seitens der Arbeitgeber eher selten gewählt werden. 

Was bedeutet das nun für mich als schwangere Frau bzw. Elternzeit wünschenden (werdenden) Papa, wenn ich nach einer dieser Optionen befristet beschäftigt bin? Die Antwort ist relativ kurz und unerfreulich:

"Ein befristeter Vertrag endet mit Ablauf der vereinbarten Zeit."

Sind Sie also (werdende) Mutter, gelten für Sie die Regelungen des Mutterschutzgesetzes genau so lange, wie Ihr Vertrag noch vereinbarungsgemäß läuft. Nur, wenn der Arbeitgeber darüber hinaus eine Verlängerung gewährt, kommen also weitergehende Ansprüche zum Tragen. 

Wichtig ist jedoch, dass zumindest die Mutter auch nicht vor Ablauf des Vertrags gekündigt werden kann, die Regelungen des Mutterschutzgesetzes gelten hier vollständig fort, insbesondere auch der strikte Kündigungsschutz.

Als Vater sieht es ähnlich aus, auch Sie können Ihre Elternzeit in Anspruch nehmen, jedoch auch hier längstens bis zum Ende Ihres Vertrages.

Wenn der Chef nicht verlängert

Ein Anspruch auf Fortsetzung oder Unterbrechung der Befristung aufgrund des Nachwuchses besteht in beiden Fällen NICHT.

Falls also der ultimate Fall eintritt, besteht auch für Sie am ersten Tag Ihrer Arbeitslosigkeit die Pflicht zur persönlichen Arbeitslosmeldung in der Agentur für Arbeit - was angesichts Ihrer Situation allerdings ein kurzer wird, da Sie dem Arbeitsmarkt ja in der Regel zunächst nicht zur Verfügung stehen. Beziehen Sie Leistungen nach dem SGB II - also Hartz IV - kann ein Elternteil bis zum 3. Geburtstag des Kindes im Leistungsbezug bleiben, ohne dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen zu müssen.
 

Keine Regel ohne Ausnahme

Ein Sonderfall besteht, wenn es sich nicht um einen nach TzBfG geschlossenen Vertrag, sondern um einen grundsätzlich befristeten Ausbildungsvertrag, z.B. im Einzelhandel, handelt. Hier kann die werdende Mutter ihr Recht auf Elternzeit trotz einer nominellen Befristung wahrnehmen und ihre Ausbildung auch nach der Elternzeit fortführen und beenden. Der befristete Arbeitsvertrag verlängert sich um die Dauer der tatsächlich in Anspruch genommenen Elternzeit, ohne dass es hierzu der Zustimmung oder Mitzeichnung des Arbeitgebers bedarf.

Muss ich einen Arbeitgeber über meine Schwangerschaft informieren?

Eine Rechtspflicht zur Mitteilung der Schwangerschaft gegenüber dem Arbeitgeber besteht für zunächst einmal nicht. Jedoch können sich über Treueverpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber Anhaltspunkte ergeben, dass Sie zur Mitteilung verpflichtet sind. Insbesondere die Einschränkungen des Mutterschutzgesetzes im Bezug auf Arbeitszeiten (z.B. keine Nachtarbeit zwischen 20 und 06 Uhr) und natürlich die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in punkto Arbeitsschutz sind hier zu beachten. Wenn Sie also im CallCenter tagsüber tätig werden wollen, dürfen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft aus ganzem Herzen lügen. Wenn Sie hingegen als Krankenschwester arbeiten wollen, besteht eine Pflicht, ihren (künftigen) Arbeitgeber umgehend nach eigener Erkenntnis über den glücklichen Umstand zu informieren, was bei Bewerbungen natürlich faktisch das Ende derselben sein wird. Allerdings ist das nochmals deutlich besser, als Schadensersatz leisten zu müssen, weil Ihnen oder Ihrem Kind doch etwas passiert ist...

Deshalb...

soll für heute diese Auflistung der Kategorie "Was ist, wenn.." genügen, die häufigsten Fälle sind damit dargestellt. Dem Thema Job aufnehmen / wechseln in dem Wissen, dass ich eigentlich eine familiäre Erziehungszeit plane, widme ich mich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals hier im Blog. Warum, erfahren Sie dann.

Bleiben Sie gespannt - bis zum nächsten Mal

PS: Natürlich ist es so, dass eine Schwangerschaft gemäß dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes niemals Grund für eine Ablehnung oder eben Nicht-Verlängerung sein darf. Können Sie einen solchen Umstand beweisen, rate ich Ihnen, umgehend einen Anwalt zu kontaktieren und Ihre rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen. Allerdings zeigt meine Berufspraxis, dass kaum ein Arbeitnehmer so einen Nachweis führen kann, weshalb es für mich mehr eine nette, theoretische Spielart ist.

Freitag, 21. August 2015

Blog fällt aus

Hallo liebe Leser,

ja Sie lesen richtig, der heutige Blogpost muss leider entfallen. Die letzte Krabbelrunde hat dem Alltagspapa von einem der kleinen Bazillenmutterschiffe einen heftigen Infekt eingebracht und zwingt ihn seit Mittwochabend fast durchgängig ins Bett. Die Kreativität ist ebenfalls im fieberbedingten Streik, weshalb es hoffentlich in der kommenden Woche wieder mehr zu lesen gibt (sicher auch zum Thema Kinderkrankheiten bei Erwachsenen)

Bis dahin Ihnen und ihren Lieben ein tolles Wochenende.

Ihr Alltagspapa

Mittwoch, 19. August 2015

Abbruchunternehmung, Sexspielzeug und fröhlicher Babygesang


Mittwoch, Zeit für die wöchentliche Krabbelrunde. Über meine Erfahrungen hier habe ich bereits ausführlich berichtet, als Nachtrag sei erwähnt, dass das "meckern" mehrerer Eltern über die desolaten Kursleiterleistungen gewirkt hat und wir seit Monatsanfang eine feste Leitung haben die zudem sehr gut ist. Einzig der Umstand, dass sie darauf besteht mit den Kindern am Anfang unter aktiver Begleitung durch die Eltern ausführlich zu singen, vermag bei mir nicht nur bloße Begeisterung auszulösen, aber nun ja, so spielt das Leben (und die Kinder finden es toll, also muss ich wohl in diesen Apfel beissen *wurgs*).

"Papa, da komme ich ran" - bestimmt!
Nachdem wir diesen Kurs nun schon eine Weile ohne Mama sehr gut meistern, ist es an der Zeit, weitere Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Der Nachwuchs hat nämlich zwischenzeitlich den evolutionär unheimlich wichtigen Schritt zum aufrechten und stabilen Stehen geschafft. Laufen ist zwar noch Zukunftsmusik, aber wenn es etwas zum festhalten gibt, werden nun auch deutlich höher gelegene Areale genauestens inspiziert (oder sollte ich sagen, fröhlich-glucksend zerlegt?).  Wäre er ein Borg,würde er vermutlich alles in seiner Reichweite assimilieren...
Gleichzeitig wurden aus babyinternen Rationalisierungsgründen das Frühstücksschläfen und das 12-Uhr Nickerchen zusammengelegt, was dem begeisterten Elternteil nun um knapp zwei Stunden erweiterte Aufsichtszeiten zur Vorbeugung von Verletzungen und Einschränkung der Abbruchunternehmungen einbringt. Gleichzeitig eröffnet ein Baby, das nun von  13 Uhr an bis zur Nachtruhe aktiv und munter ist, natürlich auch andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Nachdem der lokale Gesundheitsanbieter neben dem bereits gebuchten Musikkurs für Babys (vermutlich wieder mit Papasingen *seufz*) nur noch Eltern-Kind-Turnen im Angebot hat - ich aber bezüglich Turnen ungefähr so agil bin wie eine Giraffe beim Kopfstand - prüfte ich mit der allwissenden, amerikanischen Suchmaschine, welche auch dieses Blogportal anbietet, die weiteren Möglichkeiten in der Umgebung. War ich aufgrund der Mondpreise die unser Gesundheitsanbieter verlangt bislang der festen Überzeugung, dass dieses Bombengeschäft (schreiben Sie "babytauglich" daran und der Aufpreis für was auch immer ist genauso horrend wie bei einem € 30 -"Sextoy" im Erotikfachhandel welches sie baugleich für € 5 im Baumarkt ohne Perversenaufschlag bekommen hätten) bestimmt weitere Anbieter anlockt wie mein frisch gegrilltes Steak einen Schwarm Wespen, so wurde ich herb enttäuscht.

Zustand nach Baby?
Anscheinend steht der nahezu unbegrenzten Gewinnmöglichkeit (ein 8-wöchiger Kurs kostet gerne mal 75 Euro) eine ordentliche Portion Respekt vor dem Aggressions/Schrei/Unglücklichseinpotential von besonders kleinen Erdenbürgern gegenüber und schreckt viele Anbieter ab. 

Sicher, Kinderkurse gibt es scheinbar wie Sand am Meer, aber für die U1er ist das Angebot erschreckend rar. Jedenfalls, selbst nach Einbeziehung kommerzieller Webseiten wie kidsgo blieb es bei einer sehr überschaubaren Ausbeute: Neben den drei genannte Kursen gibt es diverse Eltern-Kind Frühstücke und "Spielgruppen" bei sozialen Trägern, einen seltsamen Kurs namens FABEL entdeckte ich auch, aber schlußendlich überzeugen konnte mich bisher nur noch das Angebot des Babyschwimmens. 

Zum Einen liebt mein Sohn unsere Badewanne und auch ich entspanne trotz 12 kg Zuladung auf der Brust mit ihm immens gut im warmen Wasser. Zum Anderen habe ich in unserer Krabbelgruppe bereits einige Mamas getroffen, die den Planschkurs in den höchsten Tönen loben.
Trotzdem, ein bisschen mehr Varianz bei den Angeboten hätte ich mir schon gewünscht, aber ein Kurs plus zwei Stunden An- und Abfahrt mit den Öffentlichen ist nunmal keine Option für unser Nervenkostüm...

Somit wird der Alltagspapa morgen einmal aufbrechen um sich und seinen Kleinen dort anzumelden. Falls wir wieder einmal Glück haben und der Kurs ausgebucht ist, bleibt uns ja immer noch das Eltern-Kind Turnen ....

Montag, 17. August 2015

Rabeneltern, Karriere und was Roland Berger damit zu tun hat...

Hallo, Sie vermissen den heutigen Blogpost? Gut, ich nämlich auch, weshalb ich umgehend etwas daran ändere.  Die Verzögerung bitte ich zu entschuldigen, die Fortbewegung in Berlin war heute wieder einmal nicht nur ob der Temperaturen im öffentlichen Verkehr tödlich. 

Es ist Montag, mithin Zeit, sich nach zwei Wochen Amtsschimmel wieder einmal dem Thema Kind & Karriere von einer anderen Warte aus zu nähern. Inspiration und Verursacher diesmal ist der Blog einer geschätzten Freundin, Tina Groll, die unter DieChefin mit deutlich erkennbar feministischer Feder, zu ähnlichen Problemen kommentiert wie ich hier. 

Elternzeit in Deutschland und anderswo

Sozialkontakte als
Grundbedürfnis
Bereits zu Monatsanfang hat sie sich intensiv damit befasst, was der Videoanbieter Netflix in den USA für eine Revolution anstößt, indem er dort bezahlte Elternzeit einführt. In einem Nebensatz erwähnt sie dabei auch eine, noch nicht in der breiten Öffentlichkeit bekannte, aktuelle Auswertung der Heinrich-Böll-Stiftung, die sich mit dem Thema Work-Life-Balance für Eltern(paare ) auseinandersetzt.

Wie sieht also die Work-Life Balance heute nach bzw. mit dem ersten Kind aus? Was vermuten Sie? Werden Sie weniger arbeiten um mehr Zeit für den Nachwuchs zu haben? Wird die Mama die Erziehung im klassischen Rollenbild übernehmen und der Vater munter weiterschaffen? Werden beide in Teilzeit sein und die dadurch gewonnene Zeit in ihr Kind stecken? Und wie sieht es eigentlich mit den sonstigen, sozialen Kontakten aus?

Das Ergebnis ist erstaunlich. In der "Rush Hour des Lebens"  ist es tatsächlich nämlich so (zumindest in Deutschland), dass Paare NICHT weniger Arbeiten. Um die eigene Karriereampel nicht völlig und dauerhaft auf "rot" stehen zu lassen kehren Männer und Frauen immer schneller mit immer mehr Stunden in ihren Beruf zurück. Allerdings, so die Studien, bedeutet dies nicht, dass sie deshalb größere Rabeneltern wären, als vorangegangene Generationen. Nein, im Gegenteil, die Zeit mit dem eigenen Nachwuchs hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren sogar um bis zu eine halbe Stunde täglich verlängert. 
Da aber auch für junge Eltern der Tag nur 24 Stunden hat, die Erholungsphasen stark babygesteuert sind, trotzdem aber irgendwo die für die Arbeit und das Kind gewonnene Zeit eingespart werden muss, finden die Kürzungen dort statt, wo alle Klischees es wollen - in der eigenen Freizeit. Nach der Auswertung der statistischen Daten gehen Paare mit Kind seltener zum Sport (nicht Babyturnen, eigene Fitness), treffen Freunde deutlich seltener als Kinderlose und ignorieren zwangsweise die kulturellen Highlights von Kino bis Klassik.
Manches davon ist aufgrund zeitlicher Überschneidungen sicherlich nachvollziehbar, schließlich liegt der Nachwuchs meist schon im Bett, wenn die wirklich interessanten Filme laufen. Anderes jedoch ist ein bedenklicher Trend. 

Karriere nur mehr für Kinderlose?

Nur noch die Rücklichter der eigenen Karriere?
Wir können (oder wollen, oder dürfen) es uns anscheinend nicht mehr erlauben, als Eltern beruflich kürzer zu treten, weil dies unsere Chancen auf ein Vorankommen der Karriere mindert. Vermutlich nicht einmal nur deshalb, weil Chefs die zeitliche Flexibilität der kinderlosen Konkurrenz schätzen, sondern schlicht auch, weil Eltern diesen Koteau eingehen und somit die Position derjenigen, die eigentlich gerne mehr Balance in ihrem Arbeits-Kinder und Sozialleben umsetzen wollen, noch weiter schwächen.


Wie umfangreich die Einschränkungen sind, die wir uns mit diesem "gesellschaftlichen" Verhalten selbst auferlegen muss sich erst noch erweisen, die Studie von Uta Meier-Gräwe und Nina Klünder kann hier zunächst lediglich ein Orientierungspunkt sein, wie gravierend der Wunsch (oder auch die schlichte finanzielle Notwendigkeit) nach beruflichem Fortkommen heutzutage Einfluss auf unser Privatleben nimmt. Das insbesondere die Privatwirtschaft bei der vielbeschworenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland noch einiges nachzuholen hat, stellten bereits die Analysten von Roland Berger Ende letzten Jahres fest. 

Fazit

Ich kann Tina Groll nicht bedenkenlos zustimmen, wenn sie feststellt, dass die aktuelle Situation eine traditionelle Rollenverteilung fördern würde, stimme aber mit ihr überein, dass Arbeitgeber noch viel tun können, von flexiblen Arbeitsmodellen bis Anpassung der Förderkriterien beim nächsten Aufstieg. Dies alle würde jungen Paaren vermitteln, dass Kinder kein Hindernis im Job sind, sondern der gesellschaftliche Beitrag sowie die Bereitschaft langjährig die Verantwortung für ein anderes Leben zu übernehmen eine Anerkennung im Beruf zur Folge haben.