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Dienstag, 15. September 2015

Warum der Wohnort entscheidend für Kind und Karriere sein kann

Etwas später als üblich, die Auswertung war umfangreicher als zunächst vermutet, widmen wir uns diese Woche einmal der Frage, warum Kinder in manchen Regionen Deutschlands ein extrem teurer Luxus sind. Sicher fallen den meisten von Ihnen zu diesem Thema Schlagworte wie KITA Beitrag, Mietkosten für die größere Wohnung oder Kosten für den größeren PKW ein. Ich vermute allerdings, die wenigsten unter Ihnen würden das Gehalt, welches am Monatsende auf dem Konto landet hier primär berücksichtigen.
Zwar hat man immer mal wieder in den Medien davon gehört, wie unverschämt gut Ingenieure in Süddeutschland verdienen, dass solche Diskrepanzen auch für alle anderen Berufe gelten, mögen sich sicher nicht allzu viele vorstellen.

Ich rede im folgenden nicht von Gehaltsvergleichen zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und Frankfurt am Main oder vergleiche Bremen mit München. Auch greife ich mir nicht explizit die Ingenieure heraus, dass Berufe, in denen Arbeitskräftemangel, herrscht mehr Einkommen ermöglichen, ist allgemein bekannt.
Hier und heute geht es um Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt oder auch Freiburg und dann um Jobs wie Sachbearbeiter in der Buchhaltung, PC-Techniker, Sekretärinnen und Call-Center Agenten. Kein Job darunter, der unendlichen Wohlstand verheißt, aber doch oftmals das, was Mama und Papa im Alltag eben arbeiten.

Zahlen, bitte.
Aber was hat das nun mit dem Wohnort zu tun? Sehr viel! Zunächst, soweit so logisch, fließt in das Gehalt der Bedarf an Arbeitskräften ein. Hat man also in Berlin 10.000 arbeitslose Sekretäre und nur 5.000 offene Stellen, wird der Arbeitgeber tendenziell weniger bezahlen müssen, als in München wo die Zahlen eher umgedreht sind. Außerdem rechnen Arbeitgeber gerne die weichen Kosten vor, also angeblich günstige Mieten, gute Versorgungspreise etc. Bevor es hier aber nun allzu abstrakt wird, machen wir das ganze monetär einmal anschaulicher:

 

Der Sachbearbeiter

Herr Müller ist 31 Jahre, hat eine Ausbildung absolviert und arbeitet nunmehr seit sechs Jahren als Sachbearbeiter in der Buchhaltung eines mittelständischen Unternehmens. Das Durchschnittsgehalt für einen derart qualifizierten und erfahrenen Mitarbeiter liegt aktuell bei rund € 38.500 p.a. - soviel zum bundesweiten Durchschnitt.
Lebt Herr Müller nun in Freiburg, wo seit Jahren ein Überangebot an seinem Berufsstand existiert, zahlt der Arbeitgeber Herrn Müller nur noch 83% dieses Durchschnittsgehalts, mit anderen Worten exakt €31.955 p.a.
Sofern Herr Müller im Bankenparadies Frankfurt ansässig ist, ist der Bedarf an seiner Qualifikation ungleich höher, genauer gesagt so hoch, dass er für exakt die gleiche Tätigkeit wie in Freiburg nun 115% des Basiswerts einstreichen kann. Er verdient somit €44.275 p.a.

Der PC - Techniker

Herr Pick ist 23, PC-Techniker bei einer großen Handelskette und hat die Qualifikation im Rahmen einer kaufmännischen Weiterbildung vor zwei Jahren abgeschlossen. Damit hätte er Anspruch auf ein Durchschnittsgehalt von €32.000 p.a.
Da Herr Pick in Berlin lebt, welches ja bekanntermaßen arm aber sexy ist, sinkt das realisierbare Einkommen direkt einmal um 9% auf € 29.120. Ist dies zu wenig für ihn, bleibt nur ein Umzug nach München. Dort kann er, weil ein geringer Bedarf besteht immerhin auf €33.280 pro Jahr hoffen. Ob dies die Mehrkosten für München ausgleichen würde, bleibt zumindest zweifelhaft.

Die Sekretärin

Schauen wir weiter, Frau Meiser ist 42, Mutter von zwei Kindern, nach einer grundsoliden Ausbildung arbeitet sie aktuell mit 30 Stunden / Woche bei zehn Jahren Berufserfahrung für ein Grundgehalt von €30.000. Hat sie das Glück in Stuttgart zu leben, wird bei gleicher Arbeit hieraus ein plus von 8% oder €2.400 mehr, in Wiesbaden immerhin noch € 900 pro Jahr extra. Schlusslicht wäre Frau Meiser in Bonn und erneut Berlin, hier sinkt das erzielbare Gehalt auf 96% oder €28.800 bzw. in der Hauptstadt sogar auf 87% oder €26.100 per annum. 

Der CallCenter-Agent

Ein letzter Blick für heute geht auf den CallCenter Agenten, eine Tätigkeit, die man wirklich von überall betreiben kann, weshalb viele Anbieter auch nur das nötigste zu zahlen bereit sind, also das, was man an Lebenshaltungskosten benötigt, wenn der Betrieb auf der grünen Wiese platziert wäre. In diesem Jahr kann ein frischgebackener Agent mit €22.000 Einstiegsgehalt rechnen. Ist das CallCenter in Freiburg, werden schwupps 10% weniger bezahlt, unserem Arbeitnehmer bleiben also noch €19.800 - pro Jahr wohlgemerkt. In Hamburg erzielt er das Durchschnittsgehalt, in Düsseldorf ist eine kleine Steigerung eingepreist, hier sind €440 mehr pro Jahr erreichbar. 


Wir sehen also, die gleiche Arbeit ist, zumindest in nicht tarifgebundenen Unternehmen, nicht überall auch gleich viel Wert. Die Schwankung in manchen Branchen ist landauf, landab sehr moderat, gerade im administrativen Bereich jedoch durchaus beachtlich. Dieser Blogpost soll kein Urteil darüber fällen, was gerecht und was unfair ist, da möge sich der geneigte Leser bitte ein eigenes Bild machen.

Vielmehr geht es darum, dass junge Familien und solche, die es werden wollen, gut beraten sind, den Wohnort in ihre beruflichen Planungen einzubeziehen. Was nutzt am Ende eine multikulturelle Stadt wie Berlin, die kulturell sicher mehr Vielfalt als Wiesbaden zu bieten hat, wenn der Arbeitskräftemarkt so überlaufen ist, dass das realistisch erzielbare Gehalt auch im letzten sozialen Brennpunkt der Stadt nicht ausreicht, um die Familie dauerhaft auf finanziell tragfähige Beine zu stellen? Gleiches gilt natürlich analog für München, wo deutlich mehr in Miete und Transport gesteckt werden muss, ohne, dass das Gehaltsniveau im Alltagsjob in gleicher Weise mitziehen würde.


Der Jobpegel steigt?? Zeit zum Umzug!

Fazit

Nicht für jeden Beruf und jede Ausbildung wird es sich lohnen, aber: Wenn Sie also ohnehin nicht allzu fest verwurzelt sind, werfen Sie doch einmal einen Blick auf alternative Angebote in Städten und Gemeinden, die bisher nicht unbedingt auf Ihrer persönlichen Top-10 der lebenswertesten Städte Deutschlands gestanden haben. Vielleicht ist ja eine Überraschung dabei und ihr nächster
Karriereschritt führt Sie und Ihre Familie in eine etwas ruhigere Zukunft.




 

 

 

Anmerkung:

Dieser Blogpost ist selbstverständlich stark durch meinen Beruf geprägt. Es ist nicht unüblich, dass mich Menschen in meinem Alter nach hundert Bewerbungen und etlichen, mies bezahlten Praktika und Kurzzeitjobs aufsuchen und fragen, was sie falsch machen. Natürlich gibt es solche Exemplare, bei denen es in der Person liegt, jedoch fällt mir insbesondere in den letzten Jahren verstärkt auf, wie sehr die "Stellschraube" Mobilität vielen Menschen in diesem Punkt helfen kann. 
Auch ich bin so gesehen ein Nomade, der seiner Arbeit hinterherzieht, ursprünglich stamme ich aus einem ganz anderen Teil der Republik. Aber nun ist der Bedarf dieser Menschen an gut bezahlter Arbeit nun einmal Grundlage für mein "Durchschnittsgehalt", weswegen ich zu denjenigen gehöre, die hier in Berlin ihr Auskommen gefunden haben. Sollte sich der Arbeitsmarkt in dieser Stadt jedoch grundlegend verändern, wird es auch für mich Zeit, weiterzuziehen.

 

 

Montag, 7. September 2015

So wird Berlin - und Sie wollen wirklich HIER Karriere machen?

Guten Morgen, 

ich hoffe, Sie hatten ein gutes Wochenende trotz eher herbstlich-feuchtem Wetter? Falls nicht, nehmen Sie sich jetzt eine kurze, persönliche Auszeit und genießen Sie den Moment, die Woche wird bestimmt noch lang genug.

Heute geht es wieder einmal um Karriere, genauer gesagt, um Karriere und ihre Planung in Berlin. Viele Menschen wollen nach Berlin, im nächsten Jahrzehnt peilt man hier die 4 Millionen Marke an. Vielleicht spielen auch Sie gerade mit dem Gedanken, den Schritt in die große Stadt zu wagen?

Generell wird es heute immer wichtiger, sich in puncto Karriere vorab eine Gretchenfragen zu stellen: Wo soll das alles passieren? Wir hören vom Staat aber auch in den Weiten des Internets immer wieder von Globalität, dem mobilen Arbeitnehmer der seinem Job hinterherzieht, Karrierechancen auch fernab von Familie und Verwandten ergreift, der tollen Vereinbarkeit von Kind und Karriere im Bayerischen Wald oder der Sächsischen Schweiz (mit Internetgeschwindigkeiten knapp über ISDN Niveau und dem nächsten Handymast in 80km Entfernung -,-)...aber, wollen wir das?

Für Berlin(er) kann man sicher sagen: Nein!

 

Gebürtige und angestammte Berliner verzweifeln schon, wenn man ihnen nahegelegen muss, aus Kostengründen (z.B. Hartz IV Empfänger und die Wohnraumproblematik) oder Bildungsaspekten (zweistündige Fahrtzeit für den sechsjährigen zur Wunschschule) ihren Kiez oder Bezirk zu verlassen. Bezirke sind hier sowieso ein heikles Thema, die 12 die man jetzt hat, wollte angeblich nie jemand so richtig, man war und ist in Berlin froh, wenn man alles in lokaler Kleinstaaterei innerhalb der vor der Gebietsreform gültigen Bezirksgrenzen erledigt bekommt. Gänzlich unverständig wird der Ureinwohner, wenn man ihm von der Fabel der "einen Stadt" kommt, beispielsweise weil der Marzahner einen Job in Spandau aufnehmen könnte...nee, nee meine Herren (und Damen), da bleibt dann Ost und West doch wieder strikt getrennt. 

Wie gesagt, dies betrifft vor allem und zunächst diejenigen, die schon länger als eine Generation hier in Berlin leben. Alles, was in den letzten zehn Jahren hereingeschneit kam, ist vor allem deshalb so wenig veränderungsfreudig, weil die Mieten von damals heute einfach nur noch utopisch niedrig sind. Die Folgen kennen alle, die auch nur ansatzweise im Speckgürtel dieser Stadt residieren. Der Ansager im Frühstücksradio braucht dreimal Kaffee zum nachfeuchten der Mundhöhle um in der morgendlichen Rush-Hour alle Staus mit Wartezeiten von mehr als zwei Stunden anzusagen. Zeitgleich twittert die Berliner S-Bahn fröhlich, dass man im Herbst keinesfalls mit Laub auf den Schienen gerechnet hätte, diese aber nun glitschig seien, weshalb in der Folge die S 1,2,3,5,7,41,42 und 45 unplanmäßig oder gar nicht verkehren. Und die BVG baut parallel dazu und ohne Schienenersatzverkehr auf irgendeiner elementaren Linie, aktuell beispielsweise die U2...

Wer jetzt trotzdem noch erwägt, für seinen Traumjob nach Berlin zu ziehen, hier eine Familie zu importieren oder neu aufzulegen, dem sei das Werk von Volontären der Evangelischen Journalistenschule unserer Stadt nahegelegt. Die Kollegen dort, größenteils keine gebürtigen Berliner, haben sich das 2011 vorgestellte Datenmaterial zur Stadtentwicklung vorgenommen und es grafisch aufbereitet. 
Somit können Sie nun, ohne zunächst ca. 2482 mit Excel-Tabellen und Graphen geschmückte Seiten zu studieren, mit einem Klick sehen, ob die angepeilte Wohnlage innerhalb der Stadt in zehn Jahren eher seniorenfreundlich umgestaltet werden muss, oder für Sie und Ihre Kleinen neue Spielplätze und Kitas umsetzen wird. Als nächstes lohnt ein Blick ins Material um zu bestimmen, ob der Nachwuchs in einigen Jahren auch eine Chance auf einen fußläufigen Schulweg  hat, oder ob das 24/7 Mama/Papa Taxi auch hier noch benötigt wird. Die eigene Karriere sollten Sie natürlich auch nicht vergessen und nach all diesen ernsten Fragen dürfen Sie natürlich auch gerne noch klären, ob sich Ihr heimlicher Traum von laubenpiepen im eigenen Kleingarten in erreichbarer Nähe verwirklichen lässt.

Fazit

Berlin ist - Berlin. Keine Frage, wenn Sie im Staatsdienst landen, bei einem Start-Up durchstarten möchten oder jeden Montag feststellen möchten, dass die ersten fünf Tage nach dem Wochenende die härtesten sind, dann sind sie vermutlich nicht völlig falsch hier. Haben Sie jedoch zusätzlich noch Ansprüche an einer längerfristige Zukunft in dieser Stadt, sei es weil Sie sesshaft werden möchten oder andere Umstände die Vermutung ergeben, dass Sie hier nicht bloß ein Gastspiel geben, dann sei Ihnen geraten, sich vorab genau mit dieser Stadt zu beschäftigen. Auch wir mussten die Erfahrung machen, dass Arbeiten zwar grundsätzlich von jedem Kiez der Stadt aus möglich ist, Familie, Karriere und öffentlichen Nahverkehr sinnvoll zu vereinen jedoch bisweilen ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Kommen Sie her, sehen Sie sich um...aber bitte mit Zeit und nicht Hals über Kopf. Sie werden es sich selber danken!

Mittwoch, 19. August 2015

Abbruchunternehmung, Sexspielzeug und fröhlicher Babygesang


Mittwoch, Zeit für die wöchentliche Krabbelrunde. Über meine Erfahrungen hier habe ich bereits ausführlich berichtet, als Nachtrag sei erwähnt, dass das "meckern" mehrerer Eltern über die desolaten Kursleiterleistungen gewirkt hat und wir seit Monatsanfang eine feste Leitung haben die zudem sehr gut ist. Einzig der Umstand, dass sie darauf besteht mit den Kindern am Anfang unter aktiver Begleitung durch die Eltern ausführlich zu singen, vermag bei mir nicht nur bloße Begeisterung auszulösen, aber nun ja, so spielt das Leben (und die Kinder finden es toll, also muss ich wohl in diesen Apfel beissen *wurgs*).

"Papa, da komme ich ran" - bestimmt!
Nachdem wir diesen Kurs nun schon eine Weile ohne Mama sehr gut meistern, ist es an der Zeit, weitere Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden. Der Nachwuchs hat nämlich zwischenzeitlich den evolutionär unheimlich wichtigen Schritt zum aufrechten und stabilen Stehen geschafft. Laufen ist zwar noch Zukunftsmusik, aber wenn es etwas zum festhalten gibt, werden nun auch deutlich höher gelegene Areale genauestens inspiziert (oder sollte ich sagen, fröhlich-glucksend zerlegt?).  Wäre er ein Borg,würde er vermutlich alles in seiner Reichweite assimilieren...
Gleichzeitig wurden aus babyinternen Rationalisierungsgründen das Frühstücksschläfen und das 12-Uhr Nickerchen zusammengelegt, was dem begeisterten Elternteil nun um knapp zwei Stunden erweiterte Aufsichtszeiten zur Vorbeugung von Verletzungen und Einschränkung der Abbruchunternehmungen einbringt. Gleichzeitig eröffnet ein Baby, das nun von  13 Uhr an bis zur Nachtruhe aktiv und munter ist, natürlich auch andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Nachdem der lokale Gesundheitsanbieter neben dem bereits gebuchten Musikkurs für Babys (vermutlich wieder mit Papasingen *seufz*) nur noch Eltern-Kind-Turnen im Angebot hat - ich aber bezüglich Turnen ungefähr so agil bin wie eine Giraffe beim Kopfstand - prüfte ich mit der allwissenden, amerikanischen Suchmaschine, welche auch dieses Blogportal anbietet, die weiteren Möglichkeiten in der Umgebung. War ich aufgrund der Mondpreise die unser Gesundheitsanbieter verlangt bislang der festen Überzeugung, dass dieses Bombengeschäft (schreiben Sie "babytauglich" daran und der Aufpreis für was auch immer ist genauso horrend wie bei einem € 30 -"Sextoy" im Erotikfachhandel welches sie baugleich für € 5 im Baumarkt ohne Perversenaufschlag bekommen hätten) bestimmt weitere Anbieter anlockt wie mein frisch gegrilltes Steak einen Schwarm Wespen, so wurde ich herb enttäuscht.

Zustand nach Baby?
Anscheinend steht der nahezu unbegrenzten Gewinnmöglichkeit (ein 8-wöchiger Kurs kostet gerne mal 75 Euro) eine ordentliche Portion Respekt vor dem Aggressions/Schrei/Unglücklichseinpotential von besonders kleinen Erdenbürgern gegenüber und schreckt viele Anbieter ab. 

Sicher, Kinderkurse gibt es scheinbar wie Sand am Meer, aber für die U1er ist das Angebot erschreckend rar. Jedenfalls, selbst nach Einbeziehung kommerzieller Webseiten wie kidsgo blieb es bei einer sehr überschaubaren Ausbeute: Neben den drei genannte Kursen gibt es diverse Eltern-Kind Frühstücke und "Spielgruppen" bei sozialen Trägern, einen seltsamen Kurs namens FABEL entdeckte ich auch, aber schlußendlich überzeugen konnte mich bisher nur noch das Angebot des Babyschwimmens. 

Zum Einen liebt mein Sohn unsere Badewanne und auch ich entspanne trotz 12 kg Zuladung auf der Brust mit ihm immens gut im warmen Wasser. Zum Anderen habe ich in unserer Krabbelgruppe bereits einige Mamas getroffen, die den Planschkurs in den höchsten Tönen loben.
Trotzdem, ein bisschen mehr Varianz bei den Angeboten hätte ich mir schon gewünscht, aber ein Kurs plus zwei Stunden An- und Abfahrt mit den Öffentlichen ist nunmal keine Option für unser Nervenkostüm...

Somit wird der Alltagspapa morgen einmal aufbrechen um sich und seinen Kleinen dort anzumelden. Falls wir wieder einmal Glück haben und der Kurs ausgebucht ist, bleibt uns ja immer noch das Eltern-Kind Turnen ....

Freitag, 14. August 2015

Papa = Herkules? Oder warum manche Väter den starken Mann geben...

Papas und die Fortbewegung ihrer Babys...scheinbar ein ganz eigenes Thema für sich. Auch heute stand für Vater und Sohn wieder ein Babykurs des lokalen Gesundheitzentrums auf dem Programm, schließlich wollen wir ja Sozialkompetenz, Motorik und wasweißichnochwas bei unseren Kleinen fordern und fördern. Die ganz nebenbei entstehenden Gespräche zwischen den Erwachsenen reichen dabei oftmals nicht über den Austausch zum aktuellen Entwicklungsstand hinaus, weshalb ich auf diese tiefgründigen Episoden jetzt hier nicht eingehen werde.

Die Kurse die wir derzeit besuchen finden aufgrund der Sommerferien in Berlin als offene Kurse statt, sprich jedes Mal kommen andere Eltern-Kind-Kombinationen hinzu oder bleiben eben weg. Heute war die Fraktion der Väter nur zu zweit, ansonsten sind es in der Regel vier bis fünf von Adam abstammende. Hierbei habe ich über die letzten Wochen einen interessanten Trend beobachtet.

Vorweg: Mein Sohn wird im Kinderwagen zur Veranstaltung gefahren, natürlich von mir geschoben. Analog verfahren gefühlt 99% der Mamas im Kurs, einfach weil es praktisch für uns, bequem für die Kinder und rückenschonend für alle Beteiligten ist. 
Die Mehrheit der Papas scheint jedoch entweder ein diffuses Trauma aus frühkindlicher Zeit zu haben, oder das Schieben eines Kinderwagens als zu unmännlich zu empfinden. Jede Woche sehe ich diese Vertreter teilweise leichtfüßig, teilweise aber auch deutlich ächzend ihre kleinen agilen Mehlsäcke zur und von der Veranstaltung tragen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, sicher, Kinder lieben es auf dem Arm getragen zu werden, da macht auch mein Sohn keinen Unterschied. Aber für mich macht es einen gewaltigen, ob ich ein Sixpack Vittel oder ihn über Distanzen trage. Beides wiegt aktuell etwa gleich viel, mit dem einen Unterschied, dass sich das Wasser weder unerwartet dreht, noch wendet und auch nicht nur aus Spaß versucht, hockend im Arm die Füße zu erreichen und somit positionstechnisch einer schwäbischen Brezel alle Ehre zu erweisen.

Warum also müssen Papas bei einem Kurs, der ungefähr so viel erotisches Anbahnungspotential hat wie eine freitäglicher Wocheneinkauf mit der gesamten Familie, unbedingt den starken Mann geben? Weil sie es können? Weil Sie zeigen wollen, was für ein toller Hecht sie sind? Weil es ihnen peinlich ist, dass sie statt auf der coolen 250er nun mit Kinderwagen und BVG (Öffis) unterwegs sind?

Liebe Geschlechtsgenossen, wacht auf! Euch ist das schönste passiert, was passieren konnte - Ihr seid Vater geworden. Pfeift darauf, was Dritte darüber sagen, wenn ihr den pinken Kinderwagen mit Eurer Tochter vor Euch herschiebt, ignoriert die immer noch erstaunten Blicke, wenn Ihr Euren Sohn selig schlafend im Tragetuch vor der Brust habt. Was zählt ist hier und jetzt das Kind, EUER Kind.

Und wenn es zu Hause wirklich nicht mehr läuft und ihr die vereinzelten, alleinerziehenden Mamas im Kurs beeindrucken wollt, dann bitte nicht durch Eure Stehkraft, sondern damit, wie vorzüglich Ihr Euch um Euer Kind kümmert...und nicht in sechs Wochen dank Hexenschuss nach Babytragen auf unbestimmte Zeit flach fallt...

In diesem Sinne bis demnächst

Freitag, 7. August 2015

Fortbewegung in den Berliner Sommerferien

Sommer, Sonne, Baustellen


Mit der Fortbewegung in Berlin ist es ja immer so eine Sache. Nimmt man ein Auto landet man oftmals im Stau. Bewegt man sich mit dem öffentlichen Verkehr, fallen Bäume auf Schienen oder Menschen unter Busse, was zu Verzögerungen von Minuten bis Stunden führt. Nutzt man ein Fahrrad ist das ökologische Gewissen zwar beruhigt, es beginnt aber ein schierer Überlebenskampf auf wahlweise schlechten Radwegen oder im fließenden, den Radler extrem schneidenden Verkehr.

Baustellenübersicht Berlin / (c) ViZ
Bei uns treten zu diesem Dilemma nun noch zwei weitere Aspekte hinzu. Die Eine nennt sich Ferienzeit, wo Stadtplaner immer wieder auf Ideen verfallen, die mit Fußgängertum nicht unter 2 Jahren bestraft werden sollte. Überall staut es sich, der Stadtring produziert täglich Staus von bis zu 90 Minuten - ich sage nur: Drei(ck)eck Funkturm - , die S-Bahn Berlin führt gleichzeitig dazu auf der parallel zum Stadtring laufenden Ringbahn Arbeiten im Gleis aus, die einen Schienenersatzverkehr auf die Straße führen, wo die Verkehrslenkung Berlin nicht weniger als 46 Sommerbaustellen gleichzeitig freigegeben hat, um endgültig das pure Chaos anzurichten. Überflüssig zu erwähnen, dass diese Baustellen das Fahren auf zwei Rädern erst recht lebensgefährlich machen, oder? 

Zum Anderen müssen wir als besorgte Eltern natürlich auch immer den Schutz unserer jüngsten im Blick behalten. Im Auto schützt ein Kindersitz prima, zumindest wenn ADAC und Co nicht völligen Murks getestet haben. Wogegen er allerdings machtlos ist, sind die 38° die aktuell von außen einwirken und trotz Klimaautomatik das (im Stau stehende) Auto binnen Minuten zu einer Sauna umwandeln. Auf dem Fahrrad haben wir seit neuestem - der junge Mann musste ja erst eigenständig sitzen lernen - einen preisgekrönten Kindersitz von Römer, der allerdings, wie das Rad selber, weder einen Airbag, noch einen Sonnenschutz hat.  
Auch hier also eher suboptimale Verhältnisse, um Distanzen im Hochsommer sicher und kindgerecht zu überwinden. 


 
Bleiben also nur die im Sommerferienverkehr ausgedünnten, öffentlichen Verkehrsmittel. Wir genießen also das Leben derzeit in vollen Zügen (und Bussen), kommen mit Sicherheit leicht erhitzt  und unpünktlich, aber immerhin ohne Sonnenbrand und Megastaus an. 

Trotzdem ist und bleibt es die Fortbewegung die Vater und Sohn von allen am wenigsten schätzen, was wiederum dazu führt, dass wir uns vor allem im Wohnbezirk und seinen direkten Anrainern bewegen. Kurztrips erfolgen mit dem vorgekühlten Auto oder frühmorgens mit dem Fahrrad, Junior ist ja spätestens um 6:30 Uhr ein verlässlicher Wecker. 

Nächste Woche steht ein "Ausflug" in unsere Werkstatt an der nördlichen Stadtgrenze Berlins an. Hin geht es mit dem Auto, welches dort einen Servicetermin hat, zurück mit den Öffentlichen, Tür zu Tür eine kleine Reise von 1:45 Stunden für rund 25 km (Zum Vergleich: Die Verbindung vom Berliner Hbf zum Gegenstück in Hannover dauert planmäßig 1:30 Stunden, für knapp 260 km mehr an Strecke!)
Am Folgetag dann das Ganze nochmals in Gegenrichtung...

Berlin, Dich muss man einfach gern haben, wa?

Mittwoch, 5. August 2015

Von Terminen, Babys und ignoranten Vätern


Kurz nach Mitternacht, im Haus ist Ruhe eingekehrt. Zeit um sich ein paar Gedanken zum Thema Zeit zu machen. Genauer gesagt um Zeiten, in die der beschauliche Alltag mit Kind eingetaktet wird. Wir haben Schlafenszeiten (etwa 13 Stunden täglich), Essenszeiten (Stillen, Beikost, Essen der Eltern anknabbern), Spielzeiten (eigentlich alle Wachphasen in denen nicht Essen oder dessen Entsorgung vom Erkunden und Blödsinn machen ablenkt). Als Eltern versuchen wir zudem noch Erholungszeit, notwendige Hausarbeits- und Einkaufszeiten sowie, ja, kaum zu glauben, Partnerzeiten unterzubringen. Sie merken schon, eigentlich ist unser Tagesplan damit ganz gut gefüllt.

Nun ist es leider so, dass wir uns nicht mit diesen Terminen begnügen können, sondern auch noch Dritte mit Terminen aufwarten. Von Eltern-Kind Kursen haben Sie ja bereits gelesen, hinzu kommen noch für verschiedene Familienmitglieder Dinge wie Arztbesuche, ehrenamtliche Tätigkeiten (zugegeben, sehr stark reduziert mittlerweile, irgendwann ist der Akku einfach leer) und natürlich so abstrakte Dinge wie Freundschaften.

Hierbei, dass muss ich zugeben, stimmen die Klischees leider. Freunde und Bekannte mit Kindern sieht man seit der Geburt meines Sohnes gefühlt ständig. Andere, die noch im Status zwischen SmgGV (Single mit gelegentlichem Geschlechtsverkehr) und "Karriere statt Kind" verharren sind selten bzw. kaum noch verfügbar. Ich frage mich, warum? 
Zugegeben, einige würden vermutlich Unbehagen empfinden wenn sie sehen, dass ein klassisches Lebensmodell genauso viel Freude und Erfüllung bringen kann wie ein konsequenter Aufstieg in der Firma (seltsamerweise sind meiner Beobachtung nach hiervon vor allem Frauen betroffen), andere können mit dem Fremdkörper Kind emotional noch so wenig anfangen, dass sie sich von diesem Mysterium lieber fernhalten. So ungefähr wie ein Hundehalter meist recht wenig mit Katzen anfangen kann, die Katze umgekehrt aber völlig vorurteilsfrei prüft, ob der Hundemensch nicht auch als Kopfkissen, Kraulsklave oder ähnliches taugt - ganz genau wie Babys, ja, Sie verstehen schon :)

Warum aber der große Rest lieber Abstand nimmt, nur weil sich in Cafébesuche und Co nun Windelpausen und auch mal Geschrei einschleichen, will mir nicht einleuchten. Oder war ich für diese Menschen wirklich nur interessant, weil ich auch unter der Woche immer für die Spätvorstellung im Kino zu begeistern war? Hmmm...

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Termine!
Bei uns verhält es sich diesen Monat so, dass wir versuchen, die Trennung von Mutter und Kind langsam auf- und auszubauen, damit zum Ende ihrer Elternzeit nicht beiderseits das große Geheule losgeht. Ich gestehe, ich bin nicht gut darin, dies zu unterstützen. Noch ehrlicher: Ich hatte schlichtweg einfach nicht auf der Agenda, dass nach knapp zehn Monaten (plus Schwangerschaft) die emotionale Komponente auf beiden Seiten dermaßen ausgeprägt sein kann, dass hier eine richtiggehende Entwöhnung notwendig ist. 
Demzufolge habe ich munter für den August Termine vereinbart (Werkstatt, Optiker, Dienstleister usw.). Natürlich nicht wahllos, die Eltern-Kind Kurse und relevanten Kindertermine hatte ich berücksichtigt. Nicht jedoch, dass wir auch abseits dieser Tage im Interesse eines geregelten Übergangs werktäglich werden üben müssen.

Daher sieht meine Tage momentan so aus, dass ich krampfhaft versuche, Termine neu zu koordinieren, was bisweilen jedoch schlicht unmöglich ist, weil Vorlaufzeiten bei Dritten nicht zu vermeiden sind. Das wiederum führt zu Spannungen im häuslichen Umfeld, was in der Folge die Bemühungen um Trennung etwas konterkariert. Aber wir arbeiten daran!

Für mich selber bleibt hier und heute daher das FazitDieser Weg wird kein leichter sein (aber hoffentlich trotz allem ein sehr schöner)!

Keep smiling und Bis bald!

Samstag, 1. August 2015

Monatsbilanz, oder: Was war, was wird?


Nun ist er vorbei, der erste Monat meiner echten Elternzeit. Die beiden "klassischen" Papamonate hatte ich ja am Anfang schon genommen, aber der unkonventionelle Teil, dem letztendlich dieses Blog zu verdanken ist, hat ja gerade erst begonnen. 

Ich behaupte sicherlich nichts falsches, wenn ich sage, es war der mit Abstand einfachste Monat in dieser Etappe. Warum? Nun, wir waren im Juli alle zu Hause. Wir haben vorab lange überlegt, wie wir einen Übergang gestalten können und sind für uns zu dem Ergebnis gekommen, dass das Geld, welches wir sonst in einen zehntägigen Familienurlaub im Ausland investiert hätten, diesmal in unserer Kasse bleibt und somit unser Auskommen in diesem Monat sichert. Wenn Sie so wollen haben wir einen Monat Ferien im Luxusresort Balkonien hinter uns.  Sie fragen, wie es war? Nun, wie jeder Urlaub - toll, großartig und bombastisch, das Wetter war herrlich und der Strand...achja hmm..nun gut, Sie wissen ja, was ich meine, oder?

Jedenfalls konnte ich in diesem Monat als Papa noch keine kapitalen Bedienungsfehler begehen, die unweigerlich das telefonische Hinzuziehen des großen Mamaorakels notwendig gemacht hätte, schließlich war ebendieses meist nur ein paar Schritte entfernt war. 
Nicht, dass ich mir bewusst wäre, einen solchen überhaupt begangen zu haben, aber schlußendlich dürfte auch der kleine Mann anders reagieren, wenn er weiß, dass seine Hauptnahrungsquelle im Zweifel nur einen spitzen Schrei entfernt ist.

Berliner Strand
Ich bin also mit der Gesamtsituation im vergangenen Monat recht zufrieden. Wir hatten wirklich gutes Wetter in Berlin, konnten hier gemeinsam entspannen und haben den Monat gestern mit einem gemütlichen Grillfest an einem Berliner See ausklingen lassen. Die ersten Gehversuche als Papa in Elternkursen wurden ohne gröbere Blessuren körperlicher oder seelischer Art bei den Beteiligten erfolgreich absolviert (apropros...Gehen und Fallen wird vermutlich in den kommenden Wochen ein ganz heißes Thema bei uns, das nur als kleiner Vorgeschmack auf künftigte Blogposts)
Der Wechsel von Arbeit auf Erziehung ist gut gelaufen, nun steht im kommenden Monat der Wechsel meiner Frau von Vollzeitmama auf teilerwerbstätig an (was mich bereits dazu veranlasst, ein Post zum Thema Teilzeitarbeit und Ansprüche hierauf vorzubereiten und beizeiten zum Thema Karriere hier zu veröffentlichen). Wie unser Nachwuchs auf diese Veränderung reagieren wird, bleibt für alle Beteiligten die spannende Frage. Vermutlich ist dies am Ende die weit größere Herausforderung (für die Beiden) als die tatsächliche Betreuung durch mich.

Wie geht es nun also weiter? Wir haben vor, bis zum Tag X nun kontinuierlich die Abwesenheit des Muttertieres zu üben. Frauen können ja so viele sinnvolle Dinge machen, wenn man sie nur lässt. Einen Schrank voll mit "nichts anzuziehen" aufstocken (meiner Kreditkarte schwant jetzt schon Übles), sich mit Freundinnen ohne Kind im Café treffen (und anschließend über die getätigten Kuchensünden dort betrübt sein) oder einfach zu IKEA fahren und nach Kassenschluss mit einem Tieflader voll Deko wieder zu Hause vorfahren...

Sie sehen also, ich bin bestens vorbereitet - bzw. bilde mir dieses beharrlich ein ;). Ob meine Erwartungen und Ansprüche realistisch sind, lesen Sie vielleicht schon bald in diesem Blog.

Ein schönes Wochenende Ihnen und Ihren Lieben

Dienstag, 28. Juli 2015

BILD erklärt uns weiterhin die Welt

bereits gestern bloggte ich ja meine Meinung zu den Statements von Olaf Mehlmann, der sich sechs typischen Ängsten junger Väter in Deutschland von seinem eigenen Standpunkt her angenähert hat. 

Heute folgt nun die zweite Hälfte, nachdem mein Sohn gestern nicht mehr gewillt war, Papa an das flirrende Ding zurückzulassen. Ohne weitere Vorrede daher nun 

4. „Wohin mit der schmutzigen Windel?“

Ich muss zugeben, auch hier hat der Mann recht. Zwar bin ich grundsätzlich recht pragmatisch veranlagt, was die Entsorgung der in Goldbarren (zumindest sind Windeln aufs Kilo gerechnet kaum billiger als 18k Feingold) verpackten Hinterlassenschaften angeht, es bleibt für den Mann jedoch immer ein Stück weit befremdlich nach einem geeigneten Ort zur Entsorgung zu fragen.  
Höchstwahrscheinlich greift hier das gleiche Gen, welches uns evolutionär daran hindert nach einem Weg zu fragen, selbst wenn wir auf einem Trip an die Nordsee soeben die Grenze des Hochschwarzwalds passiert haben
Creative Commons-Lizenz *

Sofern also kein Wickelraum vorhanden ist - oder dieser lediglich im Damen-WC zu finden ist (Emanzipation liebe Kaufhausarchtitekten!?!), muss auch ich sorgsam die Umgebung nach geeigneten Entsorgungsgefäßen scannen. Fragen musste ich bisher nie, das mag allerdings auch daran liegen, dass unsere lokale BSR wirklich ÜBERALL ihre orangen Häufchenhelfer gut sichtbar platziert hat. Helfen diese schon nicht immer gegen tierische Tretminen, so haben sie mir doch schon öfter die unangenehme Nachfrage nach einem innenliegenden Mülleimer erspart. 
Wenn es dann aber doch nicht anders geht ist auch meine Feststellung, dass kaum jemand die Nase rümpft, Babys und alles was sie hinterlassen scheinen doch in der Mitte der Gesellschaft angekommen und akzeptiert zu sein.

5. „Soll ich Fotos von meiner Tochter auf Facebook stellen?“

Eine Gretchenfrage. Auch bei uns zu Hause. Als durch und durch digitaler Mensch mit ebensolchem Freundeskreis war es mir von Anfang an ein Anliegen, mein Glück auch über diesen Kanal zu teilen. Meine bessere Hälfte hingegen, zwar auch digital hier unterwegs, aber am Ende doch noch ein gutes Stück analoger als ich, war strikt dagegen. Da wir für uns die klare Verständigung haben, dass bei derartigen Fragen nur ein gemeinsames JA dazu führt, dass die Idee umgesetzt wird, endete die Darstellung unseres Familienglücks bei Facebook & Co mit dem Foto, dass auch dieses Blog eröffnet hat. Wenn unser Junior alt genug ist, kann er - im Rahmen der Kindersicherungen die sein Papa installieren wird - selbst entscheiden, was er von sich teilt und was er lieber privat hält. 

Realistisch gesprochen hat meine Frau nämlich nicht unrecht, die Datensicherheit ist nach wie vor nicht die höchste Priorität der Anbieter. Allein schon, dass zwei Freunden innerhalb von einer Woche die Handys geraubt wurden und sich im dortigen Whatsapp Ordner sicherlich auch Bilder von uns finden, hinterlässt doch ein ungutes Bauchgefühl.

6. „Was sage ich meiner Tochter, wenn sie sich mit Jungen treffen will?“

Zugegeben, diese Frage ist auch für mich noch sehr weit hin. Aber egal, ob er mir irgendwann einmal seinen Freund oder seine Freundin vorstellt, solange er sich den Menschen und nicht die Fassade ausgesucht hat, also einen der Werte, die ich ihm sicher nahebringen will, habe ich als sein Papa kein Recht der Welt, seine Entscheidung in Zweifel zu ziehen oder gar zu verurteilen.




Wer nun noch Interesse an den Aussagen des Kollegen Mehlmann hat, hier gehts zum Artikel: Artikel von Olaf Mehlmann

*Die Bilderquelle: / Rico Bernhagen / CC BY-NC 3.0 DE / keine Veränderungen

Sonntag, 26. Juli 2015

Juli - Hitze vs. Schwüle


Es ist Sommer in Berlin, soweit so gut. Allerdings hat das Wetter seit einigen Tagen eine Wendung genommen, die eindeutig in Richtung schwüle Hitze geht. Hat unser Junior die letzten Wochen bei bis zu 40 Grad aber knochentrockener Luft noch ungerührt erlebt, so sieht das mit der aktuellen Wetterlage schon anders aus. Klar, als Novemberbaby kennt er bisher feucht eher in Verbindung mit kalt und das ist eine Wetterlage, die seinem Erzeuger ebensowenig liegt (meine Wohlfühltemperatur liegt konstant jenseits der 20 ° Marke, jeder - mehr oder minder ernstgemeinte - Versuch meine heimische Regierung zu einer Übersiedlung in den sonnigeren Teil Europas zu verleiten schlug jedoch bislang fehl).

War unser Superbaby also bisher unbeeindruckt, so ächzt auch er jetzt unter einem Luftdruck der zwar immer wieder Abkühlung durch Gewitter verheißt, am Ende dann aber nur laue Schauer zu Stande bringt...dit is Berlin.

So plagen wir uns derzeit in eher kleinen Etappen von 30 - 60 Minuten um auf unsere tägliche Schlafdosis zu kommen, ein Umstand, der für das jeweils den Schlaf betreuende Elternteil zwar immense Fortschritte im Bereich Powernapping einbringt, den eigentlichen Erholungszweck aber für alle Beteiligten nur unzureichend erfüllt. Da unser Baby, wie viele andere auch, sehr sensibel auf derartige Betriebsstörungen reagiert, ist auch die Laune einer permanenten bzw. latenten Gefährdung ausgesetzt. 

Umso mehr nutzen wir also derzeit die Wachphasen um möglichst viel interessanten Input und damit auch eine möglichst effektive Ausnutzung der Kapazitäten zu erreichen, nicht nur, aber auch in der Hoffnung, dass die geistige Erschöpfung irgendwann dem kleinen Körper längere Rastpausen abfordert. 

Zum Glück haben nun auch die Sommerferienkurse in den Eltern/Kind Einrichtungen begonnen, von Krabbelrunden über Elterntreffs wird nach einer kurzen Unterbrechung um die Schulzeugnisse herum wieder einiges angeboten. Zudem ist seit dieser Woche auch ein Teil der Großeltern zu Gast, so dass das Entertainmentangebot noch weiter gewachsen ist.

Ob unsere gemeinsamen Bemühungen am Ende von Erfolg gekrönt sind lesen Sie....sobald das Wetter sich wieder einbekommen hat ;) 


Mittwoch, 22. Juli 2015

Großeinkauf mit kleinem Mann...

Frisch zurückgekehrt haben wir das Wochenende mit dem CarePaket der Großeltern gut überstanden aber nun folgt, was nach einem Urlaub zwangsläufig folgen muss. Einkaufen.

Bei uns daheim ist es eigentlich so, dass mir diese ehrenvolle Aufgabe exklusiv zufällt. Da ich gut (Eigenlob), gerne und auch mit Abwechslung koche, ist dies nur logisch, insbesondere auch, weil Reinigungstätigkeiten im Haushalt nicht zu meinen Spezialitäten gehören und regelmäßig Nacharbeit und dazugehörige Kommentare der Hausdame provozieren. Für alles außer Lebensmittel erhalte ich über digitale Kommunikationsmedien Einkaufszettel, bisweilen angereichert mit Produktabbildungen.

Diesmal allerdings musste die Dame des Hauses mit, da mir bei der letzten Auftragsabwicklung beim Drogisten ihres Vertrauens einige Fehleinkäufe im Bereich Pflege und Kosmetik unterliefen, die nur durch sachkundige (sprich weibliche) Umtausch- und Neubeschaffungsaktionen wieder geheilt werden konnten. Zudem meldeten (ihr) die heimischen Salatbeete dringenden Bedarf an Gartenequipment welches mir fachfraulich nur mit "Stäbchen und Klammern" beschrieben wurde, so dass ich hier eine Beschaffung auf gut Glück kategorisch ablehnte und sie lieber persönlich in der Gartenabteilung einer bekannten Baumarktkette aussetzte. Bei dieser Gelegenheit fiel für unsere Katze ein frischer Bambus Extasia ab, was wiederum zu wohligen Schnurr- und Liebesbekundungen bei unserem verfressenen Teilzeitvegetarierer führte.

Nachdem der kongeniale Plan unmittelbar nach dem Aufstehen, in der Regel also direkt um 08 Uhr, aufzubrechen durch eine recht unruhige Nacht des Nachwuchses und dementsprechender Wachphasen seiner Milchquelle erfolgreich torpediert (und versenkt) wurde, durften wir mit nur etwa dreistündiger Verspätung auf die Rallye de Shopping gehen. Der Nachteil hieran offenbart sich schon in dem Moment, in dem man die Autotüre öffnet. Durch sommerliche Klimabedingungen entspricht die Familienkutsche spätestens ab 10 Uhr einer Sauna, wie man sie sonst eher in Spaß- und Thermalbädern vorfindet. 
Aber, der Kühlschrank schreit nach Füllung, also Kind in den mit Sommerbezug ausgestatteten MaxiCosi, Einkaufstaschen und Leergut verladen und ab geht es. 

Sommerferien sind etwas tolles, erwähnte ich das? Der durchschnittliche Berliner scheint schon am Wochenende die Landflucht ergriffen zu haben, jedenfalls waren die Straßen herrlich frei, so dass zur Außentemperatur nicht auch noch ein Aufguss in Form von Schweiß im Stau hinzukam.

Wir erreichen also Station 1, den Baumarkt. Mutter in den Selbigen, Papa und Kind bleiben im schattig geparkten Auto zurück. Der Blödsinn den wir Zwei miteinander treiben wird vermutlich manchen ahnungslosen Einkäufer vermuten lassen, hier wäre ein ausgeprägter Fall von Idiotie im Auto zurückgelassen worden, allerdings ist mir herzlich egal, was meine Umwelt von und über mich denkt, solange ich als Reaktion auf Grimassen, schiefen Gesang und Akrobatik strahlende Kinderaugen und glockenhelles Gequietsche als Antwort erhalte. Sie sehen also, lieber Leser, hier war die Stimmung noch prächtig.

Station 2, ein bundesweit bekannter Discounter. Während diesmal ich Flaschen in Automaten füttere, Ladenpersonal auf die Suche nach Artikeln schicke und den Nahrungsbestand ergänze bleibt diesmal meine Frau beim Kind. 

Warum wir das Kind nicht einfach mit hineinnehmen fragen sie? Gute Frage, wir besitzen zwar einen Kindersitz der Ein- und Aussteigen wirklich einfach macht, das Festziehen des Hosenträgergurtes führt jedoch wirklich jedesmal zu unglücklichem Protest über den Verlust der eben noch auf Mamas oder Papas Arm eroberten Bewegungsfreiheit, dass es zumindest bei Kurzhalten für alle Familienangehörigen entspannter ist, die Arbeit und Betreuung aufzuteilen.

Tipp: Wir verwenden für unseren Nachwuchs den Axissfix von MaxiCosi. Vorher hatten wir uns am Recaro Priva, vorheriger Testsieger des ADAC für Babys, versucht. Diesen hat unser Sohn leider nie toleriert, da die Gurte hier noch enger anliegen und die Bewegungsfreiheit noch weiter einschränken. Der Vorteil an diesem neuen Sitz ist, dass er um 360 Grad gedreht werden kann, man also - im Stehen - jederzeit mit einem Handgriff das Kind direkt frontal ansehen kann, was normalerweise unmittelbar zur Beruhigung beiträgt. 

Leider gab es beim Discounter keinen Schattenparkplatz, so dass nach meiner Rückkehr die Temperaturen im Wageninneren schon wieder auf einem Niveau waren, auf dem Fleisch mit dem Gütesiegel "englisch/bloody" im Steakhaus serviert wird. Dementsprechend sank langsam aber sicher die Laune, der Durst stieg und die Müdigkeit beim kleinen Mann wuchs.

Letzter Programmpunkt: Das Einkaufszentrum, ich wurde alleine als Vorauskommando zum Abarbeiten der Einkaufsliste geschickt, während sich Frau und Kind an die Behebung des Missgeschicks in der Drogerie (siehe oben) machten. Der Vorteil an Markensupermärkten ist, neben der Auswahl und Größe, dass sie meistens mit einer Klimaanlage ausgestattet sind. Nachdem die Familie also wieder Anschluss an den wohlgekühlten (und somit nicht besonders eilig einkaufenden) Papa gefunden hatte, passierte, wovor ich mit den meisten Respekt habe -

Nachdem der im Tragetuch befindliche Nachwuchs festgestellt hatte, dass die kurzen Arme partout nicht ausreichen um der Waren in den entfernten Regalen habhaft zu werden (ist ja alles so hübsch bunt, das muss ja für ihn zum spielen dort hingestellt worden sein) folgten zwei herzhafte Gähner und das frisch gekühlte Kind verfiel in wohligen Schlummer. 

Eigentlich eine win-win Situation meinen Sie? Ich kann einkaufen, er schlafen und am Ende sind alle zufrieden? Weit gefehlt. Ersteres mag zutreffen, die Abarbeitung der Einkaufsliste geht in der Tat zügig, aber dann...ich deutete ja bereits an, wie innig das Verhältnis eines wachen Kinds mit seinem Hosenträgergurt im MaxiCosi ist...jetzt musste der Nachwuchs aus der bequemen, angekuschelten Situation an Mamas Brust gelöst, in den Kindersitz platziert und alsdann dort wieder festgemacht werden. Glauben Sie mir, die Alarmsirene einer Freiwilligen Feuerwehr im ländlichen Brandenburg ist nichts dagegen. Passanten bleiben stehen und beäugen argwöhnisch (und meist mit wenig Verstand) was die Rabeneltern hier Unmögliches mit dem armen kleinen Spatz versuchen. Glücklicherweise hat sich bis heute niemand getraut näher heranzutreten und ungefragt Ratschläge zu erteilen...ich weiß wirklich nicht, wie weit meine Höflichkeit angesichts dieser auch für mich als Elternteil extrem stressigen Situation reichen würde!

Die Rückfahrt zum kindlichen Bett geschah also unter maximaler Ausnutzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, wobei der Unmut über diese grob vorsätzliche Weckung, Deplazierung und Freiheitsberaubung auch garantiert immer so lange anhält, bis der heimische Wohnzimmerboden wieder auf den eigenen vier Gliedmaßen erkrabbelt werden kann, nur um sodann umgehend freudestrahlend zu lachen und das vorherige Unheil unmittelbar vergessen zu haben...

Hachja, Kinder sind einfach toll (und mancher Erwachsene könnte sich mehr als eine Scheibe bei temporären Unbilligkeiten davon abschneiden)