Donnerstag, 30. Juli 2015

Der erste Kurs - die erste Ernüchterung


Heute war es so weit, eine Premiere der etwas anderen Art für mich. Hatte ich bisher als Arbeitnehmer oder durch die Ferienpause keine Gelegenheit, mich in die Eltern(Mutter)-Kind Kurse zu wagen, hatte der Terminplan heute absolut nichts dagegen. Zwecks moralischer Unterstützung (und vermutlich auch zur Kontrolle der Handhabung des Babys in nicht-häuslicher Umgebung) begleitet durch meine Frau, fand ich mich um kurz vor 10 mitsamt der Familie bei der Krabbelgruppe wieder. Während meine Frau schon die Formalitäten im Land der Bürokratie erledigte, fahndete ich wieder einmal im beschaulichen Berlin nach einem freien Parkplatz. 

Was bist Du?
Somit erreichte ich den eigentlichen Tatort zwar einige Minuten zu spät, wurde dafür aber beim Eintritt direkt angenehm überrascht. Ich war nicht alleine! Offenbar haben die Sommerferien im Bundesland dazu geführt, dass mehr Eltern frei haben (müssen) als zunächst angenommen. Unter ihnen, ausgestattet mit mehr oder minder skeptisch-aktiven Babys waren tatsächlich einige Väter!

Während unsere Babys also zwischen Weichmatten, Bällebad und seltsamen Objekten aus denen man einen Kreis bauen kann (dessen Sinn sich mir allerdings bislang nicht erschließen wollte) umherkrabbeln, -babbeln und gelegentlich auch mal völlig ohne ersichtlichen Grund wie am Spieß zu schreien anfangen, bemüht sich eine sogenannte Kursleiterin - heute eine krankheitsbedingte Aushilfe - Babys auf allerlei Arten zum Stehen und Gehen zu animieren.
Ja, Sie lesen richtig, Gehen und Stehen. Warum dies in einer Krabbelgruppe nun unbedingt so sein muss, verstehe ich nicht. Meiner bescheidenen Meinung nach leitet sich das Wort Krabbelgruppe vom krabbeln ab. Warum zum Geier muss ich also ein Kind, das glücklich mit seinen Artgenossen um die Wette robbt, unbedingt zu etwas animieren, was es vermutlich demnächst ohnehin von alleine machen kann.

Vielleicht bin ich naiv, aber ich glaube immer noch an die Macht des Rudels. Wenn man Kinder zusammen ausprobieren lässt, ziehen sie mehr für ihre eigenen Bewegungsmuster daraus, als wenn die Erwachsenen ihre Kinder halten und das Animationsprogramm der Kursleitung mit im Fünfminutentakt wechselnden Szenarien durchexerzieren.

Fazit:

Ich gebe zu, dies heute war sicher nur eine Momentaufnahme, viel zu wenig um über den gesamten Kurs ein fundiertes Urteil abgeben zu können. Aber eines ist sicher, wenn auch die folgenden Woche so ablaufen und den Kindern statt Freiraum ein Programm vorgegeben wird, dann wird der Anbieter keinen weiteren Euro von uns sehen, das Spielcafé um die Ecke dafür vermutlich aber einen regelmäßigen Konsumenten mehr bekommen.

Fazit 2:

Es hat mich gefreut, dass heute auch andere Väter dabei waren, auch wenn man ob der ständigen Beobachtung des eigenen Nachwuchses nicht viel zum Reden kommt. Es nimmt die Befürchtung ein Fremdkörper zu sein und ich hoffe, dass sich zumindest 1-2 Quotenmänner auch in den Kursen nach Ferienende finden werden. Nicht, weil ich Männer sympathischer finde, aber manches kann man eben nicht mit einer Horde Mamas diskutieren... In diesem Sinne bis demnächst :)

Dienstag, 28. Juli 2015

BILD erklärt uns weiterhin die Welt

bereits gestern bloggte ich ja meine Meinung zu den Statements von Olaf Mehlmann, der sich sechs typischen Ängsten junger Väter in Deutschland von seinem eigenen Standpunkt her angenähert hat. 

Heute folgt nun die zweite Hälfte, nachdem mein Sohn gestern nicht mehr gewillt war, Papa an das flirrende Ding zurückzulassen. Ohne weitere Vorrede daher nun 

4. „Wohin mit der schmutzigen Windel?“

Ich muss zugeben, auch hier hat der Mann recht. Zwar bin ich grundsätzlich recht pragmatisch veranlagt, was die Entsorgung der in Goldbarren (zumindest sind Windeln aufs Kilo gerechnet kaum billiger als 18k Feingold) verpackten Hinterlassenschaften angeht, es bleibt für den Mann jedoch immer ein Stück weit befremdlich nach einem geeigneten Ort zur Entsorgung zu fragen.  
Höchstwahrscheinlich greift hier das gleiche Gen, welches uns evolutionär daran hindert nach einem Weg zu fragen, selbst wenn wir auf einem Trip an die Nordsee soeben die Grenze des Hochschwarzwalds passiert haben
Creative Commons-Lizenz *

Sofern also kein Wickelraum vorhanden ist - oder dieser lediglich im Damen-WC zu finden ist (Emanzipation liebe Kaufhausarchtitekten!?!), muss auch ich sorgsam die Umgebung nach geeigneten Entsorgungsgefäßen scannen. Fragen musste ich bisher nie, das mag allerdings auch daran liegen, dass unsere lokale BSR wirklich ÜBERALL ihre orangen Häufchenhelfer gut sichtbar platziert hat. Helfen diese schon nicht immer gegen tierische Tretminen, so haben sie mir doch schon öfter die unangenehme Nachfrage nach einem innenliegenden Mülleimer erspart. 
Wenn es dann aber doch nicht anders geht ist auch meine Feststellung, dass kaum jemand die Nase rümpft, Babys und alles was sie hinterlassen scheinen doch in der Mitte der Gesellschaft angekommen und akzeptiert zu sein.

5. „Soll ich Fotos von meiner Tochter auf Facebook stellen?“

Eine Gretchenfrage. Auch bei uns zu Hause. Als durch und durch digitaler Mensch mit ebensolchem Freundeskreis war es mir von Anfang an ein Anliegen, mein Glück auch über diesen Kanal zu teilen. Meine bessere Hälfte hingegen, zwar auch digital hier unterwegs, aber am Ende doch noch ein gutes Stück analoger als ich, war strikt dagegen. Da wir für uns die klare Verständigung haben, dass bei derartigen Fragen nur ein gemeinsames JA dazu führt, dass die Idee umgesetzt wird, endete die Darstellung unseres Familienglücks bei Facebook & Co mit dem Foto, dass auch dieses Blog eröffnet hat. Wenn unser Junior alt genug ist, kann er - im Rahmen der Kindersicherungen die sein Papa installieren wird - selbst entscheiden, was er von sich teilt und was er lieber privat hält. 

Realistisch gesprochen hat meine Frau nämlich nicht unrecht, die Datensicherheit ist nach wie vor nicht die höchste Priorität der Anbieter. Allein schon, dass zwei Freunden innerhalb von einer Woche die Handys geraubt wurden und sich im dortigen Whatsapp Ordner sicherlich auch Bilder von uns finden, hinterlässt doch ein ungutes Bauchgefühl.

6. „Was sage ich meiner Tochter, wenn sie sich mit Jungen treffen will?“

Zugegeben, diese Frage ist auch für mich noch sehr weit hin. Aber egal, ob er mir irgendwann einmal seinen Freund oder seine Freundin vorstellt, solange er sich den Menschen und nicht die Fassade ausgesucht hat, also einen der Werte, die ich ihm sicher nahebringen will, habe ich als sein Papa kein Recht der Welt, seine Entscheidung in Zweifel zu ziehen oder gar zu verurteilen.




Wer nun noch Interesse an den Aussagen des Kollegen Mehlmann hat, hier gehts zum Artikel: Artikel von Olaf Mehlmann

*Die Bilderquelle: / Rico Bernhagen / CC BY-NC 3.0 DE / keine Veränderungen

BILD Dir eine Meinung- oder: Was ist dran an Deutschlands Ängsten?


Am Sonntag schrieb Olaf Mehlhose, seines Zeichens Autor bei Deutschlands BILDungsblatt Nummer eins, einen netten kleinen Artikel über "Sechs Ängste und Sorgen, die ich als junger Vater habe". 

Entgegen dem sonstigen Ramsch der oftmals in dieser Zeitung zu finden ist, fand ich den Artikel an sich wirklich interessant. Zwar konnte es die Online-Redaktion nicht lassen und musste die Seite mit "lustigen" Gifs zukleistern, die den Worten des Autors mehr Plastizität verleihen sollten - und das Gegenteil erreicht haben; grundsätzlich jedoch konnte ich mich hier zu einem Teil selber wiederfinden, weshalb ich nun schamlos mein Blog und seine Thesen nutze, um den heutigen Blogpost mit Inhalt anzureichern. Wie gesagt, die Credits für Inspiration und Originalthesen sind bitte an den Springer-Verlag zu richten, Zustimmung und Ablehnung zum Thema generell können gerne im Kommentarbereich hinterlassen werden.

1. „Hoffentlich falle ich nicht in Ohnmacht!“ [bei der Geburt -d.A.]

Diese Sorge habe ich mir nie gemacht, weshalb ich mir diese These nicht zu Eigen machen kann. Okay, es mag sein, dass mich die medizinische Ausbildung, die ich genossen habe hier unterstützt, aber auch ansonsten bin ich mir darüber bewusst, dass ich in all dem werdenden Leben nur eine kleine Randrolle spiele. Als Unterstützer meiner Frau kam ich glücklicherweise nicht in die Verlegenheit, mich mit allzu viel Blut oder sonstigen Körperflüssigkeiten auseinandersetzen zu müssen, hierfür und natürlich die Geburt an sich, sei den diensttuenden Hebammen mein ausdrücklicher Respekt ausgesprochen. 

2. „Das Stop-and-Go-Schlafen macht mich fertig!“

Selten war Baumarktware treffender...
Weise Worte schreibt der Mann. Seine Tochter ist nur unwesentlich älter als mein Sohn und die Wahrheit steht schonungslos geschrieben. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal eine ganze Nacht durchgeschlafen habe, der Rhythmus unseres kleinen, großen Mannes begehrt abseits jeglicher Uhrzeiten nach was immer es ihm gelüstet. 

Ich bewege mich mit diesen Aussagen auf verdammt dünnem Eis, ich weiß nämlich sehr genau, dass meine Frau den allergrößten Teil dieser nächtlichen Bedürfnisse erfüllt, ohne dass sie mich dabei in Anspruch nehmen würde. Da ich naturgemäß nicht stillen kann, fällt grundsätzlich schon einiges in ihren Zuständigkeitsbereich, dass sie mich dann aber auch bei Töpfchen und Windel weitgehend außen vor hält, danke ich ihr vermutlich viel zu selten und sichtbar.

Trotz der Tatsache, dass ich mit diesen Services maximal in den späten Abend- und frühen Morgenstunden zu tun bekomme, werde ich bei nächtlichen "Servicerufen" oftmals mit wach.  
Andererseits, ganz ehrlich...wenn man morgens um 5.45 Uhr von einem kleinen Mann angekrabbelt und mit sanften Boxhieben ins Gesicht (oder was auch immer er sonst gerade erreicht) geweckt wird und das verschmitzte Grinsen über diesen gelungenen Coup sieht, dann wird man selbst als Eule gerne zur Lerche (mit Ausnahmen, gelegentlich wäre ich dann schon lieber eine Lärche). Warum wir co-sleeping betreiben, dazu ein andermal mehr...

3. „Darf ich meiner Tochter Schokolade geben?"

Etwas weniger wörtlich als der Autor sehe ich diese Frage. Wie Herr Mehlmann richtig anführt gibt es einige, medizinisch gut begründete, Dinge, die man seinem Kind nicht vorsetzen sollte. Ansonsten gilt aber bei uns um Haushalt: Was am Tisch und nicht zu heiß ist, darf probiert werden.  Dieses Thema sorgt im Freundes- und Bekanntenkreis jedesmal wieder für erregte Diskussionen. Jener hat gehört, Salz sei absolut das Übelste, Dieser macht in Früchten und ihrem Zucker den Untergang der kommenden Generation aus und der Dritte ist der Ansicht, dass Fleisch für Babys absolut tabu sein müsse.

Nüchtern betrachtet kann jedoch keines dieser Argumente die gesunde Neugier eines Babys schlagen. Seit sich unser Nachwuchs für Essen interessiert gibt es schlicht nichts, was nicht probiert werden darf. Bisweilen sorgt dies für enorme Belustigung auf Elternseite, zum Beispiel als er unbedingt ein Eis probieren musste - es konnte ja auch nun wirklich KEIN Baby dieser Welt damit rechnen, dass das kalt sein würde...der Gesichtsausdruck wird uns jedenfalls noch lange in Erinnerung bleiben. 
Bei allen anderen Speisen verhält es sich ähnlich. Innerhalb von Millisekunden sieht der trainierte Elternteil, ob gleich eine freudige Nachforderung gegluckst wird, oder das eben noch so interessante Objekt umgehend den Newton'schen Gesetzmäßigkeiten überantwortet wird - Schwerkraft sei Dank entschwindet es mit sattem Plumps aus den Augen aus dem Sinn. 
Kartoffel mit Kartoffel und Kartoffel
Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich würde meinem Kind kein mit Natriumglutamat versetztes Nackensteak anbieten (abgesehen davon, dass ich dies ebenfalls verweigern würde), aber was ihn reizt, darf er probieren. Sein erstes Essen war im Urlaub (siehe vorherige Posts) eine Spalte Melone. Momentan rangieren auf der Hotlist ganz oben: Trockene Brötchen zum ansabbern, Aprikosen und Maisstangen (so ähnlich wie Flips, nur ohne den Erdnussanteil und ohne Gewürze/Salz). Gurken und Zucchini waren lange in, werden aber just wo ich diese Zeilen schreibe mehr und mehr von Tomaten und Kartoffeln verdrängt. Fleisch war bisher noch nicht so sehr auf seiner Agenda, eine Hühnerbrust wurde probiert und schnell ad acta gelegt - auch recht.

Morgen folgen die Thesen 4-6, der neue Herrscher der Familie und seine schwarzbepelzte Ursupatorin verlangen nun nach mir...


Sonntag, 26. Juli 2015

Juli - Hitze vs. Schwüle


Es ist Sommer in Berlin, soweit so gut. Allerdings hat das Wetter seit einigen Tagen eine Wendung genommen, die eindeutig in Richtung schwüle Hitze geht. Hat unser Junior die letzten Wochen bei bis zu 40 Grad aber knochentrockener Luft noch ungerührt erlebt, so sieht das mit der aktuellen Wetterlage schon anders aus. Klar, als Novemberbaby kennt er bisher feucht eher in Verbindung mit kalt und das ist eine Wetterlage, die seinem Erzeuger ebensowenig liegt (meine Wohlfühltemperatur liegt konstant jenseits der 20 ° Marke, jeder - mehr oder minder ernstgemeinte - Versuch meine heimische Regierung zu einer Übersiedlung in den sonnigeren Teil Europas zu verleiten schlug jedoch bislang fehl).

War unser Superbaby also bisher unbeeindruckt, so ächzt auch er jetzt unter einem Luftdruck der zwar immer wieder Abkühlung durch Gewitter verheißt, am Ende dann aber nur laue Schauer zu Stande bringt...dit is Berlin.

So plagen wir uns derzeit in eher kleinen Etappen von 30 - 60 Minuten um auf unsere tägliche Schlafdosis zu kommen, ein Umstand, der für das jeweils den Schlaf betreuende Elternteil zwar immense Fortschritte im Bereich Powernapping einbringt, den eigentlichen Erholungszweck aber für alle Beteiligten nur unzureichend erfüllt. Da unser Baby, wie viele andere auch, sehr sensibel auf derartige Betriebsstörungen reagiert, ist auch die Laune einer permanenten bzw. latenten Gefährdung ausgesetzt. 

Umso mehr nutzen wir also derzeit die Wachphasen um möglichst viel interessanten Input und damit auch eine möglichst effektive Ausnutzung der Kapazitäten zu erreichen, nicht nur, aber auch in der Hoffnung, dass die geistige Erschöpfung irgendwann dem kleinen Körper längere Rastpausen abfordert. 

Zum Glück haben nun auch die Sommerferienkurse in den Eltern/Kind Einrichtungen begonnen, von Krabbelrunden über Elterntreffs wird nach einer kurzen Unterbrechung um die Schulzeugnisse herum wieder einiges angeboten. Zudem ist seit dieser Woche auch ein Teil der Großeltern zu Gast, so dass das Entertainmentangebot noch weiter gewachsen ist.

Ob unsere gemeinsamen Bemühungen am Ende von Erfolg gekrönt sind lesen Sie....sobald das Wetter sich wieder einbekommen hat ;) 


Samstag, 25. Juli 2015

Elterngeld: Arbeiten für umsonst


Wie der Blogtitel verrät, ist mein Kind Baujahr 2014. Das bedeutet, dass ich von der seit diesem Jahr geltenden Elterngeldregelung (Elterngeld-Plus) leider keinen Gebrauch machen kann. Auch das ist mit ein Grund, warum ich meine Karriere so aktiv torpediere(n muss). Mein Job an sich würde sich zumindest befristet in Teilzeit ausüben lassen. Allerdings würde hier nach für mich geltender (alter) Rechtslage mein Verdienst in nahezu voller Höhe auf mein Elterngeld angerechnet.
Würde ich 20 Stunden pro Woche meiner Arbeit nachgehen, würde das Elterngeld, welches ich neben dem Gehalt für diese Arbeitsleistung beziehen würde auf einen mittleren ZWEIstelligen Betrag schrumpfen. Der Staat bestraft mich also dafür, wenn ich mich entscheide, die am Arbeitsmarkt geforderte Flexibilität zu zeigen und Arbeit und Familie mehr oder minder gleichberechtigt nebeneinander auszuüben. 

Ich will ehrlich sein, vermutlich hätte auch die seit diesem Juli gültige Regelung nicht dazu geführt, dass ich diesen Weg gewählt hätte. Ich bin schlicht und ergreifend zu neugierig, meinen Sohn  aufwachsen zu sehen um genug Ehrgeiz zu entwickeln, nebenher noch 20 Stunden eine gute Arbeit abzuliefern die mich beruflich wirklich weiterbringt (und somit vermutlich eher 30 Stunden wären, die ich zudem nicht aufschreiben dürfte aufgrund der gesetzlichen Regelungen).

Aber trotzdem hätte ich mich von einer schwarz-roten (Volks-)Regierung hier mehr Mut zur Gestaltung gewünscht. Es liegt auf der Hand, dass auch den politisch Verantwortlichen bewusst wurde, dass die bisherige Regelungen den Anforderungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht genügt. Doch anstatt dies einzugestehen und eine Flexibilisierung für alle Eltern von Kindern unter drei Jahren zu ermöglichen wird, typisch Politik, bei der Verabschiedung ein Datum der Umsetzung gewählt, welches noch mindestens sechs Monate in der Zukunft liegt. 

Nicht jeder ist in der komfortablen Lage, dass beide Partner in einer unbefristeten Beschäftigung stehen und dabei noch recht anständig verdienen. Für viele Eltern in meinem neuen Kinderumfeld ist es sogar unmöglich, allein von Elterngeld zu leben. Sie beißen daher in den sauren Apfel, nehmen oftmals ihre bisherigen Berufe als Minijob wahr, und verlieren hierdurch pro Monat rund € 260,- an Elterngeldansprüchen. Für die Kommune, die das Elterngeld aufbringen muss, natürlich ein gutes Geschäft, womit die Vermutung zumindest naheliegt, dass hier wieder mehr an kommunale Kassenlagen als wirklich an Familien gedacht wurde...

Was wir im Übrigen machen, wenn sich noch ein weiteres Mal Nachwuchs einstellen sollte, ist in diesem Zusammenhang auch eine hochinteressante Frage. KANN - zumindest des Vater - in Zukunft überhaupt noch eine solche Elternzeit wie meine jetzige nehmen, ohne dass er direkt als Arbeitsverweigerer oder Faulpelz abgestempelt wird? Schließlich können die Erwägungen zum finanziellen Aspekt noch von den allermeisten Kollegen und Vorgesetzen nachvollzogen werden, auch sie würden vermutlich ungern volle Arbeit für nur rund 33 % Ihrer Bezüge erbringen wollen.

Wenn aber unter der neuen Regelung mit verlängertem Elterngeldanspruch bis zu 30 Stunden die Woche anrechnungsfrei gearbeitet werden dürfen, wie wird sich dann die Einstellung ändern? Wird es wieder ins gängige Rollenmodel drängen, Vater zumindest Teilzeit auf Arbeit, die Mutter aber gerne auch länger wieder daheim um eine Balance zu finden? Ich bin gespannt und werde Ihnen im Zweifel gerne hier berichten!

Freitag, 24. Juli 2015

von Karrieren und deren Sackgassen...

Die Karriereampel für Väter in Elternzeit
Die vergangenen Tage habe ich viel über das Zusammenspiel von mir, meinem Sohn und unserer Familie berichtet. Heute widmet sich das Blogpost einem anderen Schwerpunkt und Namensgeber - der Karriere.

Wie bereits im allerersten Beitrag beschrieben, habe ich die Entscheidung für meine lange Elternzeit im vollen Bewusstsein getroffen, meiner Karriere damit nichts Gutes zu tun. Heute möchte ich einmal auf die Hintergründe eingehen, die sicher auch andere so, oder so ähnlich, bei ihrem Arbeitgeber vorfinden.

Bei uns in der Firma ist es so: Einmal im Jahr müssen die Vorgesetzten die Leistung und Qualität ihrer Untergebenen bewerten. Dies geschieht jeweils zum Stichtag 1. Mai rückwirkend für die 12 vorherigen Monate. Für verschiedene Kriterien, von Aufgabenerledigung, Datenqualität, Kundenbeschwerden bis hin zu Teamfähigkeit und Belastbarkeit werden Noten analog zu Schulnoten vergeben. Diese wiederum bilden am Ende eine Beurteilung nach den Grundsätzen des arithmetischen Mittels, wobei einzelne, für den jeweiligen Aufgabenbereich besonders wichtige Punkte in der Wertung verstärkt werden. Hieraus ergibt sich dann eine Note von 1 - 6, wobei letztere faktisch nicht vorkommt, da man sich hier - einen guten Manager vorausgesetzt - rechtzeitig vom Arbeitnehmer getrennt haben sollte.

Während eine 5 also dringenden Handlungsbedarf anzeigt und ein Angestellter mit einer 4 voll im Soll liegt, wird es ab der 3 interessant. Ebenso wie die 6 ist die 1 faktisch nicht erreichbar, da hier nur außerordentliche Taten, die mindestens den Eingang in die überregionalen Teile der Bildzeitung finden, gewertet werden. Die Mehrheit der Kollegen ist also bestrebt mit 2 bis 3 aus dem jährlichen Beurteilungswahnsinn zu enteilen. 

Hier kommt jetzt zudem weitere Besonderheiten des Bewertungssystems zum Tragen. Die "unverbindliche Richtline" des Unternehmens  geht davon aus, dass in einem Team in der Regel 25% der Kollegen eine 2 bekommen und 33% eine 3, der Rest analog dazu schlechter. 
Während für die 25% mit einer 2 vorgeschrieben ist, dass hier Entwicklungs- bzw. Förderpläne  aufgestellt werden, ist es bei den Kandidaten mit einer 3 dem jeweiligen Manager überlassen, ob er eine Tendenz zur 2 sieht und deshalb frühzeitig eine ähnliche Förderung beginnen möchte. 

Reden wir also über ein Team vom beispielsweise 12 Kollegen, muss der Manager für 3 von ihnen einen solchen Plan entwerfen. Dieser wird alsdann einer jeweils im September des Jahres tagenden Runde der Geschäftsführung vorgelegt, welche die getroffene Empfehlung entweder bestätigt und die Umsetzung einleitet, oder aber verwirft und den Manager zur Nacharbeit verdonnert. Da beides ungefähr so gut vorherzusagen ist wie heute das Wetter in München am 11.10.2016, können Sie sich vorstellen, wie bereitwillig ein gut ausgelasteter Manager die optionalen Förderpläne für "Dreier" ausfertigen möchte...

Was ist nun also für mich die konkrete Folge? Nun, bisher war ich glücklicherweise immer ein Kandidat für eine 2, erste Förderungen durfte ich auch bereits absolvieren. Durch meine erste Elternzeit Ende 2014 musste ich für das abgelaufene Jahr - Stichwort Jahresendspurt, alle strengen sich nochmals besonders an - eine 3 hinnehmen (Eine Förderung 2014 entfiel zudem weil ich ja "bald weg sein würde"). Für das kommende Jahr kann ich mir ebenfalls aufgrund der Abwesenheit über sechs Monate keine realistischen Hoffnungen auf "mehr" machen. Faktisch hat dies zur Folge, dass ich, weil ich mein Kind betreue, bis September 2017 warten muss, um die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen, bzw. die Fördermöglichkeiten zu erhalten, die mir selber vorschweben.

Ich kann daher persönlich jedes Elternteil verstehen dessen Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, wenn sie bis zur Finalisierung dieser lediglich Dienst nach Vorschrift machen. Wir haben zwar Gesetze, Regelungen und Verordnungen, die eine Benachteiligung von Eltern verhindern sollen, diese greifen jedoch immer nur für bisher erreichte Position. Dass man durch den Arbeitgeber und seine firmeninternen Karrieremechanismen trotz teilweise besserer Qualifikation um Jahre zurückgeworfen wird, ist die Kehrseite der Medallie die sich niemand so genau betrachtet.

Selbst schuld, sagen nun die Einen, weinerlich, werden Andere es nennen, aber ich hoffe, mindestens genauso viele sagen "stimmt, das ist bei uns ähnlich". Auch wenn ich keinen Zweifel habe, dass ich bei weiteren Kindern genauso handeln würde, das mehr an Geld was andere nun einstreichen, nur weil sie auf Kinder verzichten, wäre sinnvoller bei den Familien angesiedelt...

Mittwoch, 22. Juli 2015

Großeinkauf mit kleinem Mann...

Frisch zurückgekehrt haben wir das Wochenende mit dem CarePaket der Großeltern gut überstanden aber nun folgt, was nach einem Urlaub zwangsläufig folgen muss. Einkaufen.

Bei uns daheim ist es eigentlich so, dass mir diese ehrenvolle Aufgabe exklusiv zufällt. Da ich gut (Eigenlob), gerne und auch mit Abwechslung koche, ist dies nur logisch, insbesondere auch, weil Reinigungstätigkeiten im Haushalt nicht zu meinen Spezialitäten gehören und regelmäßig Nacharbeit und dazugehörige Kommentare der Hausdame provozieren. Für alles außer Lebensmittel erhalte ich über digitale Kommunikationsmedien Einkaufszettel, bisweilen angereichert mit Produktabbildungen.

Diesmal allerdings musste die Dame des Hauses mit, da mir bei der letzten Auftragsabwicklung beim Drogisten ihres Vertrauens einige Fehleinkäufe im Bereich Pflege und Kosmetik unterliefen, die nur durch sachkundige (sprich weibliche) Umtausch- und Neubeschaffungsaktionen wieder geheilt werden konnten. Zudem meldeten (ihr) die heimischen Salatbeete dringenden Bedarf an Gartenequipment welches mir fachfraulich nur mit "Stäbchen und Klammern" beschrieben wurde, so dass ich hier eine Beschaffung auf gut Glück kategorisch ablehnte und sie lieber persönlich in der Gartenabteilung einer bekannten Baumarktkette aussetzte. Bei dieser Gelegenheit fiel für unsere Katze ein frischer Bambus Extasia ab, was wiederum zu wohligen Schnurr- und Liebesbekundungen bei unserem verfressenen Teilzeitvegetarierer führte.

Nachdem der kongeniale Plan unmittelbar nach dem Aufstehen, in der Regel also direkt um 08 Uhr, aufzubrechen durch eine recht unruhige Nacht des Nachwuchses und dementsprechender Wachphasen seiner Milchquelle erfolgreich torpediert (und versenkt) wurde, durften wir mit nur etwa dreistündiger Verspätung auf die Rallye de Shopping gehen. Der Nachteil hieran offenbart sich schon in dem Moment, in dem man die Autotüre öffnet. Durch sommerliche Klimabedingungen entspricht die Familienkutsche spätestens ab 10 Uhr einer Sauna, wie man sie sonst eher in Spaß- und Thermalbädern vorfindet. 
Aber, der Kühlschrank schreit nach Füllung, also Kind in den mit Sommerbezug ausgestatteten MaxiCosi, Einkaufstaschen und Leergut verladen und ab geht es. 

Sommerferien sind etwas tolles, erwähnte ich das? Der durchschnittliche Berliner scheint schon am Wochenende die Landflucht ergriffen zu haben, jedenfalls waren die Straßen herrlich frei, so dass zur Außentemperatur nicht auch noch ein Aufguss in Form von Schweiß im Stau hinzukam.

Wir erreichen also Station 1, den Baumarkt. Mutter in den Selbigen, Papa und Kind bleiben im schattig geparkten Auto zurück. Der Blödsinn den wir Zwei miteinander treiben wird vermutlich manchen ahnungslosen Einkäufer vermuten lassen, hier wäre ein ausgeprägter Fall von Idiotie im Auto zurückgelassen worden, allerdings ist mir herzlich egal, was meine Umwelt von und über mich denkt, solange ich als Reaktion auf Grimassen, schiefen Gesang und Akrobatik strahlende Kinderaugen und glockenhelles Gequietsche als Antwort erhalte. Sie sehen also, lieber Leser, hier war die Stimmung noch prächtig.

Station 2, ein bundesweit bekannter Discounter. Während diesmal ich Flaschen in Automaten füttere, Ladenpersonal auf die Suche nach Artikeln schicke und den Nahrungsbestand ergänze bleibt diesmal meine Frau beim Kind. 

Warum wir das Kind nicht einfach mit hineinnehmen fragen sie? Gute Frage, wir besitzen zwar einen Kindersitz der Ein- und Aussteigen wirklich einfach macht, das Festziehen des Hosenträgergurtes führt jedoch wirklich jedesmal zu unglücklichem Protest über den Verlust der eben noch auf Mamas oder Papas Arm eroberten Bewegungsfreiheit, dass es zumindest bei Kurzhalten für alle Familienangehörigen entspannter ist, die Arbeit und Betreuung aufzuteilen.

Tipp: Wir verwenden für unseren Nachwuchs den Axissfix von MaxiCosi. Vorher hatten wir uns am Recaro Priva, vorheriger Testsieger des ADAC für Babys, versucht. Diesen hat unser Sohn leider nie toleriert, da die Gurte hier noch enger anliegen und die Bewegungsfreiheit noch weiter einschränken. Der Vorteil an diesem neuen Sitz ist, dass er um 360 Grad gedreht werden kann, man also - im Stehen - jederzeit mit einem Handgriff das Kind direkt frontal ansehen kann, was normalerweise unmittelbar zur Beruhigung beiträgt. 

Leider gab es beim Discounter keinen Schattenparkplatz, so dass nach meiner Rückkehr die Temperaturen im Wageninneren schon wieder auf einem Niveau waren, auf dem Fleisch mit dem Gütesiegel "englisch/bloody" im Steakhaus serviert wird. Dementsprechend sank langsam aber sicher die Laune, der Durst stieg und die Müdigkeit beim kleinen Mann wuchs.

Letzter Programmpunkt: Das Einkaufszentrum, ich wurde alleine als Vorauskommando zum Abarbeiten der Einkaufsliste geschickt, während sich Frau und Kind an die Behebung des Missgeschicks in der Drogerie (siehe oben) machten. Der Vorteil an Markensupermärkten ist, neben der Auswahl und Größe, dass sie meistens mit einer Klimaanlage ausgestattet sind. Nachdem die Familie also wieder Anschluss an den wohlgekühlten (und somit nicht besonders eilig einkaufenden) Papa gefunden hatte, passierte, wovor ich mit den meisten Respekt habe -

Nachdem der im Tragetuch befindliche Nachwuchs festgestellt hatte, dass die kurzen Arme partout nicht ausreichen um der Waren in den entfernten Regalen habhaft zu werden (ist ja alles so hübsch bunt, das muss ja für ihn zum spielen dort hingestellt worden sein) folgten zwei herzhafte Gähner und das frisch gekühlte Kind verfiel in wohligen Schlummer. 

Eigentlich eine win-win Situation meinen Sie? Ich kann einkaufen, er schlafen und am Ende sind alle zufrieden? Weit gefehlt. Ersteres mag zutreffen, die Abarbeitung der Einkaufsliste geht in der Tat zügig, aber dann...ich deutete ja bereits an, wie innig das Verhältnis eines wachen Kinds mit seinem Hosenträgergurt im MaxiCosi ist...jetzt musste der Nachwuchs aus der bequemen, angekuschelten Situation an Mamas Brust gelöst, in den Kindersitz platziert und alsdann dort wieder festgemacht werden. Glauben Sie mir, die Alarmsirene einer Freiwilligen Feuerwehr im ländlichen Brandenburg ist nichts dagegen. Passanten bleiben stehen und beäugen argwöhnisch (und meist mit wenig Verstand) was die Rabeneltern hier Unmögliches mit dem armen kleinen Spatz versuchen. Glücklicherweise hat sich bis heute niemand getraut näher heranzutreten und ungefragt Ratschläge zu erteilen...ich weiß wirklich nicht, wie weit meine Höflichkeit angesichts dieser auch für mich als Elternteil extrem stressigen Situation reichen würde!

Die Rückfahrt zum kindlichen Bett geschah also unter maximaler Ausnutzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, wobei der Unmut über diese grob vorsätzliche Weckung, Deplazierung und Freiheitsberaubung auch garantiert immer so lange anhält, bis der heimische Wohnzimmerboden wieder auf den eigenen vier Gliedmaßen erkrabbelt werden kann, nur um sodann umgehend freudestrahlend zu lachen und das vorherige Unheil unmittelbar vergessen zu haben...

Hachja, Kinder sind einfach toll (und mancher Erwachsene könnte sich mehr als eine Scheibe bei temporären Unbilligkeiten davon abschneiden)